Museen und Kultur in Mexiko Stadt

Mexiko Stadt ist für eine Großstadt dieser Größenordnung ziemlich entspannt. Die Metro ist voll, aber sie fährt. Wenn Berlin eine Metropolenregion mit 20 Millionen Einwohnern wäre… Tja, eigentlich kaum vorstellbar mit dem Pannenflughafen BER und dem ständig drohenden Verkehrsinfarkt in S- und U-Bahnen.

Wir wohnen via Airbnb in der Nähe der Universität im Stadtteil Copilco. Unsere Unterkunft davor in Oaxaca war unglaublich laut und wir erwarten dasselbe hier, da die Hausnummer an einer Hauptverkehrsachse liegt. Aber falsch. Hinter der einen Hausnummer verbergen sich mehrere Gebäude in einer kleinen Siedlung. Hier hört man nachts gar nichts, außer ab und zu mal eine Katze miauen. Wir wohnen in einer klassischen WG mit einer gut sortieren Plattensammlung mit Johnny Cash, John Coltrane und dem Star Wars Soundtrack. Und abends bei einem Bier finden wir heraus, dass Danielle an der Uni Walter Benjamin und das Passagen-Werk unterrichtet. Yo, Bruder! Ich kontere mit „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“… ähm… auf Spanisch wird das allerdings nichts. Dazu müsste ich noch ein paar Jahre lang Spanisch üben.

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Was macht man ansonsten so in D.F., wie Mexikaner die Hauptstadt nennen? Museen und Ausstellungen ansehen. Und Leute treffen.

Und der „kindness of strangers“ begegnen. Als wir an einem Abend eine Ex-Mitbewohnerin von Emilys Bruder im Ausgehviertel Roma treffen, bestellt sie uns ein Uber zurück. Und zahlt es. Und zahlt auch noch die Rechnung in der Bar. Wir sind über so viel Gastfreundschaft sprachlos und laden sie ein, bei uns vorbeizukommen, wenn sie mal wieder in Deutschland ist. Sie war als Journalistin schon bei einem Austauschprogramm für DIE ZEIT in Berlin.

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Der Besuch des Museum Soumaya kostet zwar keinen Eintritt, dafür sind die nächsten Metrostationen weit weg. Der Fußweg zieht sich und führt an der Deutschen Botschaft vorbei, vor der eine Berliner Buddybär Skulptur steht.

Das Museum lohnt sich dann wegen des extravaganten Gebäudes. Von außen: wild. Innen: genauso wild, da kein Raum gleich groß ist. Rechte Winkel sucht man hier vergebens. Allerdings ist die Sammlung selbst eher „ganz in Ordnung“. Die Kuration erschließt sich mir nicht ganz. Es finden sich Ölgemälde aus Flandern neben Eßbesteck aller Epochen und Elfenbeinschnitzereien aus Asien. Und ein komplettes Stockwerk widmet sich Gemälden mit Venedig-Motiven um das Jahr 1900. Venedig? Wtf!

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Direkt am Alameda Platz findet sich das Museo Mural Diego Riviera. Der Eintritt beläuft sich auf 30 Pesos und hier gibt es ein riesigen Wandgemälde zu bewundern. Eigentlich reicht das auch, da das Gemälde mit über 80 Figuren nichts geringeres als die Geschichte Mexiko zeigt, aus Sicht von Riviera gezeichnet. Die meisten der historischen Figuren und Anspielungen hätte ich nicht erkannt und daher sind die begleitenden Tafeln super, die Namen und kurze Infos zu allen Figuren liefern. Der Besuch lohnt sich. Dasselbe Mural gibt es in einer sehr viel kleineren Form als Kachelbild um die Ecke zu sehen.

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Die Cineteca Nacional in Coyoacan ist ein riesiges, modernes Areal mit Kinosälen, Restaurants und Läden. Wir erwischen gerade die Stanley Kubrick Werkschau mit Requisiten aus allen Filmen. Ganz großartig ist das, die Schreibmaschine aus Shining zu sehen. Inklusive des infamosen Schreibmaschinenblatts „Only work and no play makes Jack a dull boy“. Oder Fotos vom Set von Spartakus. Der Perfektionist Kubrick stattete bei Massenszenen alle Statisten mit Nummern aus, um sie dirigieren zu können. Die Ausstellung ist ganz wunderbar kuratiert und macht Lust, sich die Filme nochmal anzusehen.

Im Viertel Coyoacan gibt es das Café El Jarocho, vor dem sich riesige Schlangen gebildet haben und der als lokales Gegenmodell zu Starbucks gehandelt wird. Wir machen mit bei diesem Kult. Dagegen lassen wir die andere Schlange vor dem Frida Kahlo Museum ausfallen. Dort stehen nämlich am Nachmittag 150 Leute vor der Tür.

Jeden Samstag bis 16 Uhr gibt es den Punk- und Heavy Metal-Flohmarkt El Chopo . Als Emily vor 8 Jahren hier war, gab es noch Konzerte. Das gibt es inzwischen nicht mehr. Dafür aber eine große Ansammlung von Buden mit Band-Shirts ohne Ende. Ich werde hier fündig mit einem Shirt der Band Neurosis aus der „Souls at Zero“ Phase, Anfang der 1990er. Der ganze Markt wirkt wie ein Archiv der letzten 50 Jahre Musikgeschichte. Denn auch einige Prog-Rock-Stände mit Devotionalien von Frank Zappa und King Crimson sind vertreten.

Das Essen ist in Mexiko Stadt deutlich abwechslungsreicher als davor. Direkt vor unserer Unterkunft gibt es ein chinesisches Restaurant. Das erste chinesische Essen seit 3 Monaten! Das letzte Mal chinesisch gab es in Chinatown von Havanna und es war ganz fürchterlich. Hier dagegen freuen wir uns über Kung Pao Chicken und gebratene Nudeln. Die meisten Food-Optionen in Guatemala und Mexiko waren lokale Gerichte. Gerade in Guatemala hatte ich mit schwarzen Tortillas zu kämpfen, die es zu jedem Essen dazu gab.

Später entdecken wir in Mexiko Stadt noch Chinatown, wo man gedämpfte Dampfnudeln, Baozi, direkt aus dem Dampfkochtopf auf der Straße als Snack kaufen kann. Diese hatte ich zuletzt in Qingdao in China gegessen, im April 2015.

Unser Reiseabschnitt durch Mittelamerika endet hier. Mexiko Stadt ist ein schöner Ort, um sich zu verabschieden und sich in den letzten Tage auf die nächste Stadt, Portland, Oregon vorzubereiten.

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