Keep Portland weird!

„Keep Portland weird“ ist der Slogan dieser Stadt am Willamette River. Und für uns ist es erstmal eine Umstellung nach 3 Monaten Reisen in Lateinamerika. Und gleichzeitig auch nicht.

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Viele Produkte im Supermarkt sind gleich, da alle US-Firmen auch südlich vertreten sind. Nur die Auswahl ist größer. Hier in Portland sind alle Durchsagen in der Bahn bilingual auf Englisch und Spanisch.

Portland ist kulturell ziemlich vielseitig. Am besten man wirft einen Blick in die beiden Wochenzeitungen Willamette Weekly und Portland Mercury. Dort finden sich aktuelle Festival, Konzerte und Veranstaltungen.

Wir finden das Musikfestival Pop Now!, das genau an dem Wochenende stattfindet, als wir hier sind. Diverse Bands und Acts, die ich mir angesehen hätte, verpassen wir um ein paar Wochen. Aber macht nichts, das Festival ist super. Es spielen 3 Tage lang lokale Bands aus Portland. Und das ohne Eintritt. Das Festival findet unter einer Hochstraße statt, was nachmittags für Schatten sorgt. Denn es ist brechend heiß hier. Wir haben nichts zu trinken dabei und hier im Industriegebiet gibt es auch keinen Supermarkt. Glücklicherweise versorgt uns der Promo-Stand von Mountain Dew mit zuckerhaltigen Getränken, die hier am lebenden Objekt getestet werden sollen.

Damit lässt sich die Hitze auch aushalten und wir lungern im Schatten herum, während auf der Bühne eine schwarze Performerin zu elektronischen Beats mit Harmonizer-Effekt singt. Später gibt es Indierock. Und melodischen Poppunk. Ich hätte es mir wilder vorgestellt, aber wir sind ja auch nachmittags hier. Die Punk-Band Public Eye begleitet uns dann auch später auf Autofahrten auf dem USB-Stick:


Genau dafür ist Portland ja auch bekannt: seine riesige Musikszene, die so vielfältig wie die von Berlin ist mit jeder Menge Nachtschattengewächsen abseits des Mainstream.

Ein echter Vorteil von Portland ist der gut ausgebaute und günstige Nahverkehr. Ganz untypisch für eine Stadt in den USA gibt es Straßenbahnen (MAX und Streetcar), die sogar bis zum Flughafen fahren. Für $2,50 kommt man in die Innenstadt. Noch günstiger ist das Tagesticket für $5 oder gleich der 7-Tages-Pass für $26. Das ist ein echter Vorteil.

Einen Mietwagen braucht man hier in der Stadt wirklich nicht. Und selbst ein Fahrrad auszuleihen ist deutlich teurer mit $30 pro Tag oder knapp $100 pro Woche. Wir entscheiden uns dafür Portland ohne Auto zu entern und holen uns dann nur für die nächste Station, Olympia, einen Mietwagen. Dafür verzichten wir aber auch auf die Natur außerhalb der Stadt: Mount Hood und Crater Lake. Dort kommt man nur mit dem Auto hin.

Wir bleiben in der Stadt und machen irgendwas mit Katzen in Purringtons Cat Lounge. Für $8 pro Stunde Eintritt kann man hier Katzen streicheln. Die Katzen wohnen hier nicht fest, sondern können adoptiert werden. Die Idee ist genial. Wer nur gelegentlich eine Katze streicheln möchte, kann einfach vorbeikommen und finanziert mit dem Eintritt die Katzen. Und adoptierwillige Besucher können hier Katzen probestreicheln. Und falls es den Katzen zu viel wird, können sie jederzeit durch eine Klappe in einen Panic Room entfleuchen. Der Besuch hier ist witzig und gerade die anwesenden Kinder hatten riesigen Spaß, die Katzen mit den Spielzeugen durch den Raum zu jagen (die Katzen aber auch).

Natur kann man auch mit öffentlichen Transportmitteln erreichen. In der Nähe des Stadtteil Montavilla befindet sich der Mount Tabor Stadtpark. Er ist groß und man kann von dort weit über das Tal blicken. Irgendjemand hat ein Klavier hier abgestellt und ab und zu kommen Besucher vorbei, die mehr als einen Akkord können. Dann kann man schon mal Debussy´s „Claire de Lune“ lauschen, während man den Eichhörnchen zusieht und sein mitgebrachtes Sandwich verzehrt.

Noch größer ist Forest Park, der sich von unserer Unterkunft aus aber genau am anderen Ende der Stadt befindet. Wir wären in einer Stunde dort gewesen, hätte nicht ein Hornochse eine Schlägerei im Bus angefangen. Wobei Schlägerei auch übertrieben ist. Der Busfahrer ruft jedenfalls die Polizei, aber bis diese eingetroffen ist, hat sich der Typ schon verflüchtigt. Wir kommen deutlich später als geplant am Forest Park an. Nur um sich die Dimensionen vorzustellen: alleine der Wildwood Trail ist 43 Kilometer lang und insgesamt verfügt der Park über 110 Kilometer an Wanderwegen. Das ist richtig Wald, an einigen Stellen kann man abseits vom Weg über umgestürzte, von Moos überwachsene Bäume laufen.

Zum Abschluß besuchen wir noch einen der größten Buchläden, die ich jemals gesehen habe. Jaja, immer diese Superlative. Aber Powell´s Books ist wirklich massiv. Es gibt einfach alles. Eigentlich kann ich ja nichts mitnehmen. Aber dann kaufe ich mir doch noch „Wolf in the White Van“ von John Darnielle. Das Buch hatte ich letzten Oktober bei Pegasus Books in Oakland zugunsten von „Ready Player One“ verschmäht.

Verdammt, gibt es hier viele Bücher! „Lovecraft Country“ von Matt Ruff hole ich mir im Nachhinhein noch als Ebook. Mitnehmen geht wirklich nicht mehr. Zumal ich die nächsten Buchläden auf unserer Route schon kenne: in San Francisco, Oakland und Berkeley war ich schon ausgiebig stöbernd unterwegs.

Wir schlendern am letzten Tag noch durch die Alberta Street. In der Neighborhood gibt es Cafés, Bars und Kunst. Auch ohne Besuch einer Kunstgalerie kann man sich an den vielen bunten Murals erfreuen.

Portland stand schon länger auf meiner Wunschortliste. Und hat sich definitiv gelohnt. Das nächste Mal mit mehr Wandern und noch mehr Konzerten!


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Eine Antwort auf „Keep Portland weird!“

  1. Hi Chris,

    danke für Deinen Tipp der Purringtons Cat Lounge. Hätte ich die damals gekannt, wäre ich sofort hin. So muss ich wohl auf den nächsten Portlandbesuch warten.
    Mount Tabor und Forest Park kann ich auch nur empfehlen, sind beides für sich schöne Orte. Bei letzterem dann aufpassen, wo mensch langläuft, denn ich kam nach Stunden irgendwo raus, wo ich eigentlich dachte ein Bus bringt mich noch zurück, der dann aber gar nicht an diesem Tag fuhr. Und den Weg an der fast schon industriellen Hauptstrasse zurück, ist zwar ein Erlebnis, aber kann mensch sich auch sparen.
    Powells empfand ich auch als lohnenden Besuch und in Alberta (wie eigentlich überall in Portland) ist das Durchstreifen mit dem Fahrrad eine schöne Sache.

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