In Seoul am Flughafen gibt es kurz noch Zusatzaufwand mit der Fluggesellschaft. Ich unterschreibe ein Formular in dem ich versichere, dass ich per Kreditkarte ein Ticket für einen Weiterflug zahle, wenn die Immigrationsbehörde in den USA es so will. Das ist der nervige Teil von round-the-world Trips: weil theoretisch die Möglichkeit besteht, dass ein Ticket zur Weiterreise verlangt wird, machen Fluggesellschaften vorauseilenden Stress. Natürlich habe ich keinen Weiterflug gebucht, da ich weder mein Abflugdatum noch meinen Abflugort noch Zielort kenne (und bereits ein Visa habe).

Punkt Nummer 2 wäre aber die Unterkunft. Ein massiver Preisschock durchschüttelt meine Finanzen. Betten im Dormroom kosten ab $32 und am Wochenende schon mal $50. Dazu ist das Angebot rar gesät. Es gibt hier kaum Hostels und am Wochenende sind diese oft ausgebucht. Und die Leistung ist ein echter Schock nach Südkorea, wo ich die besten Hostels weltweit erlebt hatte. Qualitativ befindet man sich auf dem Niveau der mieseren Hostels in China, nur eben zum vierfachen Preis. Das ist Maslowsche Bedürfnispyramide wie aus dem Lehrbuch: erst die Behausung, dann alles weitere jenseits der Grundbedürfnisse. Es hat aber auch etwas Gutes: ich werde dazu gedrängt mich zu bemühen und mir kreative Lösungen zu überlegen. Aber für’s Erste kann ich mich erstmal damit arrangieren, da es nur für max. 9 Tage ist, danach habe ich eine feste Bleibe bis September.

In China und Südkorea war ich an horrende Kaffeepreise gewöhnt, hier gibt es auf einmal meinen geliebten Filterkaffee medium für knapp über $2. Und auch die Espresso-Getränke sind wieder günstig und ich trinke hier etliche Kaffees pro Tag.

Ich mache hier erstmal konkret: nichts. Die Sehenswürdigkeiten hatte ich beim letzten Besuch 2008 abgehakt. Also flaniere ich. Durch die Mission schlendern, und mal Russian Hill ablaufen. Fishermans Wharf war mir letztes Mal schon zu touristisch. Ich entdecke das Ferry Building Marketplace, da hier meine Fähre nach Larkspur abfährt zum Couchsurfing Host. Wir verbringen 2 gute Tage zusammen in Marin County und es ist mehr als großartig, dass er mich mit dem Auto überall hinfährt. Ohne eigenen Wagen ist nämlich selbst das beliebte Ausflugsziel Muir Woods nicht zu erreichen. Und die Nordseite der Bay ist einfach grandios. Dafür ist das auch der reichste Bezirk von Kalifornien und sieht entsprechend herausgeputzt und kleinstädtisch aus. Ich mag’s und wir sehen uns Sausalito, Tiburon und Mill Valley an. Es gibt guten Kaffee und Muffins mit Walnüssen sowie phänomenale Brownies bei Equator. Life is good. Einfach hier zu sein reicht schon aus und ich bin und bleibe äußerst angetan von der Bay Area.

Danach bin ich für ein paar Tage in Berkeley. Es gibt genau ein Hostel, auch wieder $32 Dollar und es ist das irrste Hostel, in dem ich je war. Und ich habe als Unterkünfte in meinem Leben bereits alles gesehen, alles. Das hier ist irrer, was an den Besitzern liegt, die Althippies wie aus dem Bilderbuch sind. Mit einem der beiden führe ich lange Nachtgespräche, er ist mir aber deutlich zu abgespaced. Und wenn ich abgespaced sage, dann will das etwas heißen. Im Dormroom bekomme ich subtile Würgereiz und ich sinniere darüber, ob es wohl eingemauerte Leichen in den Wänden gibt, die den Gestank hier verursachen. Nachdem aber der andere Gast aber abgereist ist, wird die Luft wieder atembar. Das Piedmont Hostel kann ich definitiv nicht weiterempfehlen.

Berkeley ist so, wie ich sie in Erinnerung hatte und es ist mir hier für ein paar Tage lieber, als in SF zu bleiben. Peet’s Coffee ist eine feste Anlaufstelle, ansonsten gibt es vegane Burger bei Saturn. Wobei hier sehr viele Läden mit vegetarischem Essen werben. Aus Interesse durchforste ich noch Craigslist nach Mietpreisen für Zimmer hier, nachdem ich mich im Hostel mit einem Typ aus New York unterhalten habe, der gerade herzieht um eine Schule für „Medical Marijuana“ zu besuchen. Mit Minimum $900 Zwischenmiete für ein winziges Zimmerchen ist man schon dabei, aber wir sind ja nicht mehr in Kansas, Toto. Ein weiterer Gast im Hostel ist zufälligerweise handelsreisender Vermieter aus Südafrika, der hier Wohnungen anmietet und für kürzere Zeiträume weitervermietet.

Anlaufpunkt für mich ist dann noch das San Francisco Zen Center in der Page Street. Andocken am Mutterschiff, da ich in deren Tempel Tassajara bis September sein werde. Endlich an diesem Ort ankommen, dessen Aktivitäten seit Jahren über Bücher, Webseiten und Livestream mitverfolgt habe. This is the place where it all began. Mit Shunryu Suzuki, der hier in den 1950er Jahren Zen in die USA brachte.

Und das heisst: hier ist Blogpause bis Ende September, ich bin jetzt wirklich offline.

Veröffentlicht in USA

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