Durch Belize nach Caye Caulker reisen. Und die Trauminsel finden.

„Welcome to Belize“ sagt der Grenzbeamte und läuft lächelnd auf uns zu. Wir sind bereits durch den Zoll durch und wollen wissen, wie wir von der Grenzstation wegkommen. Er ist auf Konversation aus und erzählt erstmal ausgiebig, dass er im nächsten Ort wohnt. Und erklärt uns, wie wir weiterkommen. Es fühlt sich fast an, wie in einem Dorf gelandet zu sein. Wo jeder jeden kennt. Was nicht schwer ist in einem Land, das gerade mal 468.000 Einwohner hat.

Belize ist anders. Anders als alle umliegenden Länder. Weniger wie das spanischsprachige Zentralamerika und eher wie eine Karibikinsel, die auf dem Festland liegt. Die englischsprachige Vergangenheit und die Queen auf den Geldscheinen passen so gar nicht zu Mexiko, Guatemala und Honduras.

Mit dem Bus durch Belize

Den Minibus von der Grenze nach Corozal zahle ich in US-Dollar, da es an der Grenzstation keinen Geldautomaten gibt. Im kleinen Ort Corozal finden sich dann Automaten am Marktplatz, nur ein paar Blocks in der Nähe der Busstation. Wir treffen ein israelisches Paar aus unserem Hostel in Bacalar wieder. Und werden direkt auf ihre Hochzeit in Belize City eingeladen. Wir werden es später nicht hinschaffen, da sie kurz vor der Rückfahrt der letzten Fähre heiraten, verbringen dann aber den Abend danach mit ihnen in einer Bar auf Caye Caulker. Weiter geht es im Chicken Bus über Orange Walk nach Belize City.  Die Busse in Belize sind alte us-amerikanische und kanadische Blue Bird Busse in bunten Farben. Und werden bis unter das Dach mit Fahrgästen vollgeladen.

Der Bus hält an jedem Dorf und ist voll mit den unterschiedlichsten Menschen. Vor uns sitzt ein Mennonitenpaar mit strohblondem Kind. Er in traditioneller Kluft mit Karohemd und Hut, sie mit Kopftuch. Der Busfahrer ist Mexikaner und hört Reggaeton. Neben uns sitzt eine schwarze Lady mit Bob Marley Tattoos. Der Getränkeverkäufer in Orange Walk steigt mit breitestem Kreol-Englisch in den Bus: „Drink aeigt caps of wata a deh, te dacta seez“. Die Sprache wird hier auf Plakaten auch wirklich so geschrieben, wie es gesprochen wird. Und es ist kein falsches Englisch, sondern eine eigene Sprache, die zwar zum Teil englische Vokabeln benutzt aber eine eigene Grammatik verwendet. Wie auch in Jamaika. Das kenne ich schon aus Dancehall Texten.

Belize City ist aber erstmal genauso trist, wie erwartet. Mit dem Taxi geht es von der Busstation zum Pier und der Taxifahrer hört Reggae und meint strahlend: „ya man, we’re partying our way to heaven!“ Und knapp eine Stunde später stehen wir am Landungspier von Caye Caulker.

Caye Caulker sehen und träumen

Ich mache es kurz: Caye Caulker ist die Insel meiner Träume. Vor dem Besuch in Belize stand noch die Überlegung im Raum ohne Zwischenstopp so schnell wie möglich durch Belize zu reisen. Aber zum Glück haben wir uns für Caye Caulker entschieden. Einfach unglaublich ist das.

Die Insel besteht aus weißem Korallensand. Und wirkt, als ob sie aus der Computerspielreihe Monkey Island entsprungen sei. Nur ohne Piraten. Dafür mit gut gelaunten Einwohnern, die uns schon bei Ankunft mit „Welcome to di Island!“ grüßen.

In bunter „Mix of the Cultures“. Dreadlocks und Reggae sind hier angesagt. Ansonsten sind wie überall in Belize die meisten Supermärkte in chinesischer Hand. Und auch der Mix aus Urlaubern ist ziemlich heterogen. Ein paar Backpacker, ein paar Hotelgäste in verschiedenen Preisstufen. Nur die Luxusklasse fehlt und gehobener geht es auf dem benachbarten Ambergris Caye zu. Oder bei den Resorts auf privaten Inseln hier in der Nähe.

Caye Caulker ist eher rustikal. Hier gibt es wie in ganz Belize keine Franchises internationaler Ketten. Die Restaurants und Cafes sind in lokaler Hand. Nur heisst das nicht, dass man hier günstig durchkommen würde. Die Preise für Essen und Getränke sind ungefähr auf dem Niveau wie in Berlin. Für Besucher aus Paris oder New York sicher noch günstig, für uns dagegen kein Schnäppchen.

Für uns als Langzeitreisende ist Caye Caulker dagegen ein Ort, an dem wir mehr Geld ausgeben als geplant. Unsere Belizian Dollars gehen rasend schnell weg. Der ATM von der Atlantic Bank auf der Insel liefert zum Glück immer Nachschub. Unsere Erfahrung ist, dass die günstigen Zimmer für 30 USD ziemlich fiese Löcher sind. Als wir für 42 USD pro Nacht in Hildi’s Appartment via Airbnb umziehen, steigt der Wohlfühlfaktor stark an. So lässt es sich hier aushalten.

Bei Chef Juan’s Kitchen and Pastry kehren wir täglich mittags, morgens und abends ein. Der Key Lime Pie ist die großartigste Erfindung für den Nachmittagskaffee. Auch lecker sind Barbeque-Restaurants wie Wish Willi’s. Oder wir baden auch mal bei der Institution Lazy Lizard im Wasser und unterhalten uns mit dem israelischen Paar (er ist Künstler, sie Biologin) über das Leben in Israel und das Reisen.

Bei einem Halbtagsausflug schnorcheln wir im Korallenriff. Auch wenn es mich gruselt als der Guide eine Muräne hervorlockt, die ihn ein Stück weit verfolgt. Ich mag keine Muränen! Dafür sind die Ammenhaie und Stachelrochen zahm, bei denen unsere Tour kurz stoppt. Und mit denen wir baden.

Wir bleiben länger in Caye Caulker als geplant. Aber irgendwann ist es Zeit Abschied zu nehmen vom relaxten Inselleben. Chef Juan verabschiedet uns am Tag unserer Abreise und wir nehmen bei ihm eine Lunchbox für die Fahrt mit. Per Fähre, Chicken Bus und Taxis geht es weiter nach Flores in Guatemala.

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