Die Strände von Yucatán unsicher machen

Eben haben wir bei einer kubanischen Familie auf dem Sofa gesessen. Es folgt das kürzeste Einchecken aller Zeiten am Flughafen von Havanna. Rucksack aufs Band und wir erhalten die Boarding-Pässe. Ich verschenke mein Restgeld kubanischer Währung an die Putzfrau. Und knapp zwei Stunden später sind wir wieder zurück im Kapitalismus. In Cancun in Mexiko. Die nächsten 2 Wochen reisen wir quer über die Yucatán Halbinsel in Richtung Belize.

Cancun – vor allem Vorräte aufstocken

Jetzt sind wir auf dem Hostel-Trail. Wir bleiben erstmal 2 Tage hier um uns zu akklimatisieren. Genau dafür ist Cancun großartig. Die meisten Hostels liegen als Cluster um den Busbahnhof in Downtown. Hier ist alles fett voll mit bunten Graffitis – das war in Kuba anders. Und Mexiko ist generell das Land der Murals. Breitflächige Wandbilder sind überall zu finden. Außerdem kann man jederzeit Essen bekommen. Und es gibt unlimitiertes Internet. Das fällt uns aus Kuba kommend auf.

Und vor allem eine gut ausgebaute und günstige Infrastrukur an öffentlichen Transportmitteln. Das haben wir in Kuba vermisst. In Cancun kann man umgerechnet für 12 Pesos mit der Buslinie R-1 oder R-2 in die Hotelzone an den Strand fahren. Wir entscheiden uns für den Playa Delfines, den findet die Frau von der Rezeption im Hostel am besten. Es herrscht ein angenehmes Offseason-Gefühl am Strand Ende April. Der Andrang hält sich in Grenzen. Außer am Schild vom Tourismusmarketing mit den bunten Buchstaben „Cancun“. Wer damit ein Foto machen will, steht Schlange wie in Kuba.

Auf dem Rückweg füllt sich der Bus langsam mit Angestellten, die ihre Uniformen aus den Hotels anhaben. Die Leute arbeiten in der Hotelzone, aber wohnen in Downtown oder noch weiter außerhalb.

Die Isla Holbox fällt dagegen aus. Wir bekommen hier kein Zimmer zu einem vernünftigen Preis. Was mich nicht wundert, denn Isla Holbox wird seit Jahren als Geheimtipp vermarktet. Und wird inzwischen auf Werbeplakaten der ADO Busgesellschaft breitflächig beworben.

Puerto Morelos

Nach Cancun haben wir ein Airbnb Zimmer im nahegelegenen Puerto Morelos auf halber Strecke nach Playa del Carmen. Die Fahrt mit einem ADO-Bus dauert 45 Minuten und kostet 28 Pesos.

Wir sind im oberen Teil von Puerto Morelos. Unsere Gastgeberin ist Yoga-Lehrerin, hilfsbereit und erklärt uns wie wir von A nach B kommen. Wir besuchen die Cenote 7 Bocas. Dorthin fährt für 25 Pesos ein lokaler Bus vom Plaza Central ab, vor der Papeleria. Dort angekommen läuft man noch 25 Minuten von der Straße zu dem Cenoten. Der Eintritt ist mit 300 Pesos extrem stattlich, aber es lohnt sich: man schwimmt durch mehrere Höhlen unter Wasser. Auch hier ist wieder Offseason angesagt, wir haben zeitweilig das komplette Areal für uns alleine. Nur die Fledermäuse quietschen leise und lassen sich von Besuchern nicht stören. Beim Besuch am besten die Wertsachen zu Hause lassen, es gibt keine Möglichkeit Rucksäcke einzuschließen.

Wir wechseln noch für 2 Tage an den Strandabschnitt von Puerto Morelos und erleben dort ein kleines Fiasko mit dem AirBnb-Host, dem wir 2 Tage lang erklären, dass die Buchung komplett bezahlt ist. Er und seine Frau stehen aber trotzdem morgens an der Tür und schicken uns den ganzen Tag Nachrichten, dass wir doch endlich zahlen sollen. Mails an Airbnb bringen nichts und erst als wir den Fall als möglichen Betrugsversuch melden, springt ein echter Mitarbeiter ein und erklärt dem Host nochmal, wie Airbnb funktioniert. Aber auch danach kommt nochmal eine Nachricht von ihm: wie viel wir denn jetzt für das Zimmer gezahlt hätten, wir mögen es ihm doch nochmal vorrechnen . Ehrlich gesagt sorgt das für einen kurzen Tiefstand der Laune.

Trotzdem ist Puerto Morelos ganz nett. Das Wasser ist seicht, hier ist eher planschen statt schwimmen angesagt. Und unser geplantes Schnorcheln fällt aus, da wegen Sturmwarnungen die Boote nicht ablegen.

Die Insel Cozumel

Auf dem Weg nach Cozumel müssen wir durch Playa del Carmen. Ganz genau: müssen. Der Ort besteht aus einer Fußgängerzone für Pauschaltouristen. Wir suchen schnellstmöglich die Fähre auf, zu der man vom ADO-Busterminal aus zu Fuß gelangt. Alle 3 Anbieter fahren zur vollen Stunde ab und der Preis ist auch überall gleich: 150 Pesos für das Return-Ticket. In Cozumel angekommen entgehen wir den Schleppern am Kai und laufen zu unserem Hostel, das 7 Blocks außerhalb liegt. Cozumel ist so groß, dass es hier Supermärkte für Selbstversorger gibt. Und man ein paar Blocks abseits des Kais auch Tacoläden findet, in die sich nur selten ein Tourist verirrt.

Um an die Strände zu kommen, benötigst du ein Fahrrad oder einen Scooter oder musst ein Taxi nehmen, denn die Entfernungen sind ordentlich. Und das kostet, ein Fahrrad 150 Pesos pro Tag und ein Scooter ab 400 Pesos pro Tag plus Benzin. Und die meisten Verleiher auf der Insel haben saumäßig schlechte Bewertungen inklusive Betrugsvorwürfen.

Viele der Strände auf der Ostseite der Insel liegen in Tagesclubs mit Mindestverzehr. Denn die Insel ist auf Kreuzfahrtschiffe ausgelegt und in der Hauptsaison legen hier bis zu 8 Schiffe gleichzeitig an. Dann platzt die Insel aus allen Nähten. Und die Infrastruktur ist darauf ausgelegt, dass Touristen hier ordentlich Geld ausgeben. Für den „Chankanaab Adventure Park“, der nur mäßig gute Optionen bietet, zahlst du schlappe 21 Euro Eintritt. Um dorthin zu kommen benötigst du einen Scooter oder ein Taxi. Wir entscheiden uns für die Variante Fahrrad plus Schnorchel leihen und kehren im Playa Azul ein. Dort gibt es keinen Eintritt oder Mindestverzehr. Im türkisblauen, klaren Wasser schnorcheln wir uns glücklich und sehen dabei einige bunte Meeresbewohner. Abends folgt noch ein Besuch im Cineplex Kino und nach 3 Tagen geht es weiter.

Aber abschließend zu Cozumel: Puh, schwierig. Die Zeit hier war gut. Aber ich würde Cozumel nur zur Offseason empfehlen. Die Insel ist eher für Pauschaltouristen ausgelegt und nur mittelmäßig interessant.

Tulum – die Stadt der 1000 Restaurants

Unsere nächste Station liegt dann eine weitere Stunde mit dem ADO Bus weiter südlich: Tulum. Die Stadt hat wenige Boutique-Hostels und ist nahezu ausschließlich auf die Bedürfnisse von Backpackern und Individualreisenden zugeschnitten. Hier finden sich wahrscheinlich Hunderte von Restaurants, Bars und Cafés. Und von den Möglichkeiten machen wir auch Gebrauch. Richtig gut waren Burrito Amor und Pizzeria Manglar. Der Ortskern von Tulum Pueblo wurde inzwischen für Lastwagen gesperrt, hier herrscht Ruhe (und der Verkehr quetscht sich über Straßen am Rand).

Dazu gibt es neben der Straße eine breite Fahrradstraße. Alle sind hier mit dem Fahrrad unterwegs und viele Hostels bieten Fahrradverleih gratis an. Zu den Ruinen von Tulum kommt man am besten mit dem Rad. Sobald du aus dem Ortskern fährst, führt ein neu angelegter Radweg 2 Kilometer neben dem Highway entlang. Du kannst direkt bis zum Kassenhäuschen vorfahren. Der Fahrradparkplatz befindet sich 50 Meter hinter dem „für Fahrräder verboten Schild“. Die Tempelanlagen wurden zu Ehren des Sonnenaufgangs gebaut, aber um diesen zu sehen kostet es 235 Pesos (von 6:30 bis 8:00 Uhr), statt des normalen Eintrittspreises von 70 Pesos. Für den regulären Besuch ist man am besten um 8 Uhr vor Ort, da ab 10 Uhr die Touristenbusse ankommen. Und es erbarmungslos heiß wird.

Auch gut mit dem Rad erreichbar ist die Gran Cenote. Der Weg ist allerdings wenig einladend und führt an einem anderen Highway entlang. 180 Pesos kostet der Eintritt und die Cenote ist professionell und wie ein Schwimmbad organisiert mit Duschen (gratis), Schließfächern (30 Pesos) und Schnorchel-Verleih (80 Pesos). Die Höhle ist wirklich groß. Hier leben Wasserschildkröten, kleine Fische und über einem kreisen Fledermäuse und Vögel. Lohnt sich definitiv, auch wenn es hier zur Hauptsaison wohl unglaublich voll wird.

Tulum war definitiv eines der Highlights. Und ich verstehe, warum Leute direkt vom Flughafen Cancun aus hier herfahren. Muy bonito.

Die Lagune Bacalar

Weiter geht es bis knapp an der Grenze zu Belize zur Lagune der 7 Farben. Wir entscheiden uns für eine Unterkunft direkt an der Lagune. Direkt vor dem Frühstück ins Wasser? Yep. Das kann man hier machen. Allerdings ist das auch das einzig Gute, was ich über das Blue Monkey Hostel sagen kann. Und daß wir an 2 von 4 Tagen ruhige Tage haben, weil gerade mal niemand anwesend ist. Ansonsten sind die Räumlichkeiten denkbar ungeeignet für ein Hostel. Alles quetscht sich um den einzigen Tisch auf der kleinen Veranda.

Ein Glück haben wir uns nicht für die Zelte als Unterkünfte entschieden, die das Hostel anbietet. Die Vorstellung: Zelten! In der Natur! Direkt an der Lagune!

Die Realität sieht dagegen so aus: auf einer winzigen Rasenfläche, die wie ein Vorgarten aussieht, stehen zusammengepfercht die Zelte. Direkt neben der Veranda, auf der bis nachts alle sitzen, und zwar laut. Privatsphäre gibt es nicht. Irgendwie gar nicht mal so nett auf engstem Raum möglichst viele Leute zusammenzupferchen. Ich hatte mir die ganzen Grundstücke an der Lagune weitläufiger vorgestellt.

Dafür ist die Ortschaft Bacalar ganz verschlafen und sehr nett. Die wahrscheinlich besten veganen Burger und Salate südlich von San Francisco gibt es hier in Mango y Chile. Nahezu monströse Portionen rechtfertigen den Preis von 130 Pesos. Ansonsten passiert hier in Bacalar äußerst wenig und jetzt im Mai noch weniger als sonst. Genau deswegen ist man ja auch hier.

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