Über den Dächern von Cienfuegos

Nach Matanzas ist es in Cienfuegos wieder etwas ruhiger. Unsere Casa liegt abseits vom Prado und hier ist nur ab und zu das entfernte Hufgeklapper der Pferdekutschen zu hören, die hier als lokale Taxis durch die Stadt fahren.

Die Innenstadt hat viele restaurierte Gebäude rund um den Parque Jose Marti. Die Gegend wurde für den Publikumsverkehr herausgeputzt. Was wenig verwundert, da die Innenstadt zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Das ist nett anzusehen und die Straßen rund um den Boulevard laden dazu ein, durch die Innenstadt zu schlendern. Allerdings hat der Tourismus auch seine Schattenseiten: die Straßen sind voll mit Jinenteros, den kubanischen Anwerbern. Alle 2 Meter möchte einem jemand ein Restaurant zeigen oder eine Taxifahrt vermitteln.

Das Villenviertel Punta Gorda

Der hiesige Maleccon führt vom Zentrum nach Punta Gorda. Er wird von einer breiten Straße gesäumt und ist deutlich weniger spektakulär als der Maleccon von Havanna. In Punta Gorda gibt es viele kleine Häuschen, die wie aus den 1950er Jahren der USA aussehen. Und einige restaurierte Villen. Hier wirkt alles schicker und deutlich nobler als im restlichen Cienfuegos. Der letzte Landzipfel von Punta Gorda hat einen kleinen Park mit einen Pavillion an der Landspitze. Hier kann man die Bucht überblicken. Und es gibt einen Zugang ins Wasser, über man im Meer baden kann. Bei der Wasserverschmutzung in der Bucht ist das aber nur für die ganz Abgebrühten zu empfehlen.

Begegnungen mit der kubanischen Musikszene

Cienfuegos wirbt mit dem Musiker Benny Moré. Ob hier das Tourismusmarketing am Bedarf vorbei produziert? Den meisten Besuchern geht es wie mir und sie haben noch nie etwas von ihm gehört. In Kuba selbst kann ich wegen dem langsamen Internet auch kein Youtube nutzen, um mir Aufnahmen des 1963 verstorbenen Musikers anzusehen.

Und so richtig warm werde ich mit dem Ensemble-Sound von Benny Moré nicht. Macht nichts, denn es gibt in Cienfuegos wie überall in Kuba mehr Musik zu entdecken. Auch ganz unerwartete Begegnungen. Mit einem der Werber für ein Restaurant komme ich ins Gespräch. Er mag Metallica und Avenged Sevenfold. Heavy Metal ist die eigentliche World Music mit riesigen Musikszenen in Südamerika, Indonesien, Indien. Als wir im La Buena Pipa Cafe sitzen, liegt dort eine kopierte Zeitung mit Interviews der kubanischen Musikszene aus. „Palamusica Underground“ berichtet über alle Arten von Musik auf Kuba. Von Fusion Metal aus Camagüey bis zu Female Rap aus Guantanamo ist hier alles vertreten. Und neben all den jüngeren Acts findet sich dort auch ein älterer Rock-Fan, der auch ein Dissident in der DDR hätte sein können mit seiner Aussage „Rock ist noch nicht frei in Kuba“.

Wir finden ein kleines Café in der Innenstadt, La Buena Pipa. Dort läuft kein Reggaeton sondern Lana Del Rey, Taylor Swift und Adele. Internet-Zugang ist in Kuba noch nicht dauerhaft vorhanden und hier laufen noch Videos von Playlists auf USB-Sticks. Digitale Inhalte werden hier noch analog über Speichermedien verbreitet. Und die normalen Kubaner bekommen wöchentlich das Internet auf USB-Sticks als „El Paquete Semanal“. Wir sitzen erstmal im Café mit Schallplatten an der Wand als Deko und alten Schreibmaschinen. Die jungen, urbanen Kubaner um uns herum rauchen, trinken Kaffee oder Bier und sehen sich Musikvideos an. Das Café könnte auch in Neukölln sein. Nur würde dann dort nicht Adele laufen.

Piratenausflug nach Castillo de Jagua

Castillo de Jagua ist eine kleine Festung am äußersten Ende der Bucht von Cienfuegos. Die Fähre ist vollgepackt mit Anwohnern, die ihre Einkäufe aus der Innenstadt nach Hause bringen. Die 120 Personen Kapazität werden mittags locker erreicht und wir sitzen eng auf Holzbänken. Eine Stunde lang fahren wir und sehen dabei die komplette Bucht. Das Castillo entpuppt sich dann aber als klein und der Eintritt für 5 CUC ist eher hoch. Als wir zögern spricht uns eine Frau vom Einlaß an und bietet uns den Deal „zwei zum Preis von einem an“. Das machen wir doch glatt. Die Ausstellung innen erzählt von der Geschichte der Piraterie in der Region. Von der im Lonely Planet beschriebenen Ausstellung zur Geschichte der Atomkraft finden wir jedoch keine Spuren. Und die Ausstellung ist kurz und eher uninteressant.

Auch der Blick vom Castillo kann nicht so recht überzeugen. So richtige Piratenstimmung will nicht aufkommen, da man auf ein bizarres Sowjet-Hotel blickt, das gut aus einem Tarkowski-Film entstammen könnte. Der Ausflug lohnt sich wegen der Fährfahrt. Und ich würde mir nächstes Mal eher das bizarre Sowjet-Hotel auf der anderen Seite ansehen, dort legt die Fähre auf dem Rückweg an.

Die Flamingos von Laguna Guanaroca

Den Ausflug haben wir über unsere Casa Particular organisiert. Morgens um 7 holt uns ein Taxi ab. In die Laguna können nur 30 Leute gleichzeitig, da alle Gäste mit Ruderbooten auf dem See herumgefahren werden. Und früh morgens sind die meisten Vögel zu sehen. Also am besten früh kommen, zumal es später heiß wird. Der Weg vom Kassenhäuschen zum See wird von einem englischsprachigen Tourguide geführt. Dort gibt es bereits eine große Zahl heimischer Vogelarten zu sehen wie den kubanischen Kolibri.

Am See steigen dann 2-3 Besucher in ein Ruderboot und werden von einem ortskundigen Ruderer über den See gefahren. Wir sehen Seeadler, Graureiher, Fischreiher, deren namen unser Ruderer auf deutsch kennt. Dann geht es weiter zu den Flamingo-Kolonien. Im April sind nur 300-400 Jungtiere vor Ort. Der Rest ist in Florida zum Brüten. Bei deren Rückkehr im Dezember wächst die Kolonie dann auf 4000 Tiere an. Mit dem Boot kommen wir nah an die Tiere heran und verbringen einige friedliche Minuten damit, die Flamingos zu beobachten. Ohne die Tiere zu stören. Auf dem Rückweg fahren wir noch an den Mangroven entlang und beobachten kleine Krabben, die hier leben. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.

Tipp: Der Eintritt in die Lagune kostet 10 CUC (Reisepassnummer und Visumsnummer müssen bei Eintritt angegeben werden). Anti-Mückenspray nicht vergessen. Früh kommen wegen der Personenbeschränkung und Hitze. Alternativ kann der Ausflug über Cubantur am Boulevard in Cienfuegos gebucht werden.

Strandausflug zum Playa Rancho Luna

Der Besuch in Laguna Guanaroca lässt sich prima mit einem Strandausflug kombinieren. Die Stadt Cienfuegos selbst hat keine Strände. Dieser Strand liegt 25 Minuten mit dem Auto außerhalb. So wie man sich einen karibischen Sandstrand vorstellt. Direkt am Strand gibt es Sonnenschirme aus Stroh. Im Wasser gibt es Korallen und es schnorcheln hier ziemlich viele Besucher. Die Infrastruktur ist ausgebaut: Es gibt diverse Restaurants und alle 10 Meter am Strand Hütten für Cocktails. Mit dem Taxifahrer ist im Vorfeld vereinbart, dass er uns hier abholt und wir haben für den Besuch von Guanaroca und dem Strand 20 CUC Festpreis ausgemacht.

Adressen in Cienfuegos

Restaurant El Mirador. Prado Nr. 5418. Kein Schild unten, Kellner mit Speisekarte steht davor. Diese Location hat uns am besten gefallen in Cienfueges. Es ist eine Dachterrasse an der Ecke Prado / Avendia 54. Hier im Sonnenuntergang auf Cienfuegos blicken ist unglaublich gut. Kuba hat traumhafte Orte. Es wäre wohl der perfekte Moment. Wäre da nicht der Wind, der hier oben heftig bläst. Das Essen ist verhältnismässig günstig und gehörte mit zu dem besten bei unserem Aufenthalt in Kuba.

Cafe La Buena Pipe. Avenida 52, Nr. 3721. Stylisches kleines Cafe. Mit alten Schreibmaschinen und Bücher hängen als Mobile von der Decke. Kaffee und andere Getränke für 0.50 – 1.50 CUC. Hier sitzen vor allem junge, urbane Kubaner und treffen sich mit Freundinnen und Freunden.

La Gardenia, Calle 35, Nr. 5014. Das Essen ist teuer und unterdurchschnittlich. Es arbeiten 4-6 Anwerber für den Laden, daher ist die Chance groß, dass du hier mal landest. Tu dir selbst einen Gefallen und meide diesen Laden.

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