Erstkontakt mit Yosemite. Eine Kathedrale der Natur.

Endlich hat es mit mir und dem Yosemite Nationalpark geklappt. Ich wollte schon die letzten Male in den USA herkommen, aber es kam jedes Mal etwas dazwischen. Das letzte Mal vor 2 Jahren fuhr ich schon in Richtung Park von Death Valley aus. Nur um dann in der Ortschaft Bishop festzustellen: der Tioga Pass war wegen Schneefall gesperrt. Und das Ende September. So ein Reinfall!

Dieses Mal sollte alles anders werden. Vor allem, weil ich mit Emily unterwegs war, für die es ebenfalls der erste Besuch sein sollte.

Wir starteten von Fresno aus zum Tagesausflug nach Yosemite. Die Zufahrt über den Hey 41 war ab Oakhurst gesperrt und ab dort begleitete uns der dichte Rauch von Waldbrände. Die Hinfahrt dauerte dann länger als geplant und wir kamen nach zweieinhalb Stunden an.

Yosemite Valley ist der Ort, an dem man im Nationalpark sein möchte als Erstbesucher. Eine Straße führt als Rundweg durch das Tal. Am besten parkt man sein Auto auf einem Parkplatz am Visitor Center und nimmt dann einen der kostenlosen Shuttlebusse zu den Trailheads. Der eigentliche Yosemite Nationalpark ist deutlich größer, aber das Tal ist der touristische Hotspot.

Allein ist man hier nicht – Yosemite ist einer der meistbesuchten Nationalparks der USA und dementsprechend viel ist hier los. Trotzdem kann man Glück haben und selbst vom Bus aus Rehe beobachten. Den hiesigen Mule Deer machen die Busse und die vielen Menschen im Tal scheinbar nichts aus. Im Bus treffen wir noch einen Langstreckenwanderer, der die nächsten 14 Tage hier in der Wildnis unterwegs sein wird. Er verrät sein Geheimrezept, um sich so lange zu ernähren: eine Diät, die nur aus Peanut-Butter besteht. Den hier in Yosemite startet der John Muir Trail, einer der legendären Langstrecken-Wanderungen der USA. Für den Trail benötigt man einige Wildernis-Permits und ein paar Monate Vorbereitung sind auch nicht schlecht.

Wir entscheiden uns für den Mirror Lake Trail am Ende des Tals. Der Bus braucht ein Weilchen und ist richtig voll. Dafür hätten wir aber auch keinen Parkplatz am Trailhead gefunden, denn der ist schon um halb elf wegen Überfüllung geschloßen. Zum Mirror Lake führt ein Wanderweg oder alternativ auf der anderen Seite des Tals ein betonierten Weg (geeignet für Fahrräder oder Rollstühle). Der Weg führt am Bach entlang und an riesigen Felsbrocken vorbei durch den Wald. Der See ist weniger ein See, sondern noch Überreste davon. Zwischen Sandbänken winden sich einzelne Wasserflecken. Wilde Enten und Eichhörnchen spurten auf Neuankömmlinge zu auf der Suche nach Futter. Das Tal ist wunderbar. Fast schon wie eine Parklandschaft. Man sitzt am Wasser und blickt von hier aus direkt auf den Half Dome.

Vom Mirror Lake aus führt ein Rundweg um das Tal herum, der in 2-3 Stunden absolviert werden kann. Hier gibt es dann auch Natur, aber anders, als man es sich vorstellt. Nämlich in Form von Tausenden von Fliegen, die direkt in Ohren, Nase und Augen fliegen. Schon zum Mirror Lake hier begegnet man vielen Leuten, die ununterbrochen mit den Armen wedeln. Danach wird es richtig heftig. Die wenigsten Wanderer sind so hartgesotten, die Insekten einfach zu ignorieren. Gute Taktiken sind entweder einen Fächer dabeizuhaben oder sich ein Tuch vor das Gesicht zu binden. Einen positiven Nebeneffekt haben die Viecher allerdings: ab hier hat man den Trail komplett für sich alleine. Man wandert direkt unterhalb des Half Dome vorbei durch den Wald.

Zurück an Mirror Lake lassen wir einfach den Shuttlebus ausfallen und wandern 45 Minuten zurück zum Parkplatz. Es ist inzwischen später Nachmittag und Zeit für die Heimfahrt. An El Capitan fahren wir noch vorbei, der Rauch und die Wolkendecke lichten sich am Nachmittag und wir genießen noch die Aussicht auf die Berge.

Es gibt gute Gründe, warum es so voll ist in Yosemite und der Nationalpark einer der meist besuchten Parks in den USA ist. Die Landschaft ist monumental. John Muir hat es so auf den Punkt gebracht:

„Everybody needs beauty as well as bread, places to play in and pray in, where Nature may heal and cheer and give strength to body and soul alike.“

– John Muir, The Yosemite, 1912

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