Das Wetter nördlich von San Francisco ist im Spätherbst wechselhaft. Und an manchen Tagen im November erinnern mich Landschaft und Wetter an Irland. Ich bin ein paar Meilen nördlich von San Francisco mitten im Grünen. Ein trüber, aber nicht unangenehmer Nebel durchzieht das Tal. Ich bin zu einer kurzen Wanderung am Nachmittag unterwegs und blicke auf Hügel in sattem Grün,die von kargen Felsen durchsetzt sind. Hinter mir liegt der Pazifik, vor mir Tiburon und die Bay. Und rechts – da hört dann der überstrapazierte Irlandvergleich auf – sehe ich den oberen Teil der Golden Gate Bridge und dahinter Downtown San Francisco.

Seit 4 Wochen bin ich in Green Gulch Farm Zen Center in Muir Beach. Halb Farm, halb Zen Tempel. Hier heisst es jeden morgen um 4:30 Uhr früh aufstehen und dann ist jeder Tag bis abends ausgefüllt. Meditation, Zeremonien und Arbeiten. Ich wusste nach meinem Aufenthalt in einem anderen Kloster letztes Jahr ungefähr was mich erwartet. Vor allem: ein fester Tagesplan. Es gibt hier keinen Terminstress, denn es ist immer klar wann und wo etwas stattfindet.

Viele sind hier um mit dem Zen Lehrer Reb Anderson zu praktizieren, der die diesjährige Practice Period leitet. Ich bin hier um meine Agenda zu finden. Aber es kommt anders und die Agenda mich: ich stelle hier wieder nur fest, dass es gar nicht um mich geht. Dass meine Geschichten und Alltagssorgen gar nicht so wichtig, schlimm, relevant oder drängend sind. Und dass eine Angespanntheit hier nach 4 Wochen Aufenthalt weg ist. Denn ein gehetztes „Muss! Noch! Wichtige! Dinge! Erledigen!“ gibt es hier nicht.

Ich freue mich lieber darüber das Rauschen des Pazifik zu hören, wenn morgens nach der ersten Meditationsperiode die Türen des Zendo geöffnet werden. Wir sind hier in der Natur direkt neben dem Küstenhighway. Am Wochenende ist der Strand, der nur 20 Minuten weit entfernt liegt, voll mit Ausflugsgästen und die Straße brummt laut von den Harleys. Und wenn es nicht regnet, wird hier auch im November noch gebadet. Aber auch am Strand zu sitzen und Frachtern zuzusehen ist schon gut genug. Die kleine Bucht ist malerisch. Und der direkt angrenzende Ort Muir Beach besteht aus schmuckvollen Häuser, die sich an den Berghang anschmiegen. Alles sehr unprätentiös und stilvoll.

Hier zu sein ist ein wahres Geschenk. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen der Abendsonne am Strand, klopfe mir den Sand von der Hose und schlendere gemächlich zurück.

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