Die Fahrt nach Malacca von Kuala Lumpur aus ist so einfach, dass sich fast jede Recherche erübrigt. Einfach mit Monorail bis zum Hauptbahnhof KL Sentral, dann mit dem Zug bis zur Busstation für alle südwärts fahrenden Busse. Der Preisvergleich erübrigt sich ebenfalls, denn alle Busfirmen werden über ein zentrales System gebucht. 10 Ringit später sitze ich im nächsten Bus.

Ich dämmere friedlich vor mich hin und werde erst wieder wach, als wir ein paarmal das Busterminal in Malacca umkreisen. Dort gibt es die ersten Taxi Werber, die ich in Malaysia sehe. Ausweichmanöver einleiten und freundlich lächelnd an ihnen vorbeilaufen zur Haltestelle für die lokalen Busse. Einfach den anderen Touristen folgen in einen Bus, fertig. Habe ich wirklich auf mein iPad geguckt, wo der Bus abfahren soll?

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Es wird ja ganz gerne gegen den Lonely Planet angeführt, dass er die Leser in unmündige Sklaven der Buchstaben transformieren würde. Aber dasselbe gilt für das Reisen mit mobilem Gerät und Google Maps – mehrere Versuche ein offenes Wlan zu finden. In der Zeit könnte ich genausogut… etwa aus dem Fenster starren. Oder meinem Sitznachbarn beim Lesen eines chinesischen Texts auf seinem Smartphone zusehen. Das Stadthuys ist nicht zu verfehlen, alle steigen aus dem Bus aus. Einfach der Weisheit der Massen folgen.

Aber ab hier macht sich die Karte (aus dem Lonely Planet) ganz gut, da ich keine Ahnung habe, wo ich hin muss. Zwei Kreuzungen weiter steigt eine Frau vom Fahrrad ab und zeigt mir den Weg. Die Troka Prewar Residence in der Bukit Cina ist leicht zu finden. Kurzer Irritationsmoment, als ein Schild auf dem Empfangsschalter freundlich auf die Sharia hinweist und dass islamische Paare ihre Ehebescheinigung vorlegen sollen um sharia-strafrechtliche Verfahren zu vermeiden. Harte Ansage! Aber das gilt nicht für chinesische Malayent? Wie Malaysia im Detail funktioniert, verstehe ich noch nicht ganz. Ebenso habe ich einen kurz anhaltenden Knarz-Moment, da das Zimmer weder über Fenster noch Tisch verfügt, was ich im Hostel in Kuala Lumpur hatte. Aber Fenster sind in Malaysia kein Standard in Hostels, das habe ich schon mitbekommen.

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Es folgt ein erweiterter Spaziergang durch die historische Altstadt mit Jonker Walk. Der Jonker Walk abends und am Wochenende ist eine ganz schöne Quetscherei, weil hier alles unterwegs ist und sich durch die Straßen drückt und schiebt. Aber es ist ganz nett das hier anzusehen.

Ich esse mich durch die vegetarischen Restaurants der Stadt: Ich suche länger nach dem vegetarischen Restaurant VeggeGood, dass ich am Ende finde, auf dem Weg finde ich noch mehrere chinesische buddhistische und taoistische Tempel. Eine fake-Ente süß-sauer später bin ich zurück im Hotel. Das Man Yuan hat leider zu, als ich davor stehe und mein absoluter Favorit ist Chin Hua: Buffet mit sehr viel leckerem Seitan und Tofu. Allerdings kann es später am Abend schon mal ausverkauft sein.

In meiner Unterkunft eskaliert derweil die Lage. In der letzten Nacht muss ich um 3:42 Uhr einer sturmklingelnden Dame die Haustür öffnen, weil der Portier sich verzogen hat und clevererweise nur innen am Tresen seine Handynummer hinterlassen. Dazu sind die Wände papierdünn und mein Zimmer riecht muffig. Das Haus ist unteres Mittelmaß und nicht richtig schlecht, aber auch nicht sonderlich angenehm.

Da die Auswahl an Unterkünften in Malacca riesig ist, ziehe für die nächsten 2 Nächte in Tony’s Guesthouse. Dort ist alles bunt angemalt und rustikal D.I.Y. gemütlich und die Inhaberin ist supernett. Hier fühle ich mich deutlich wohler.

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Und ich stelle mal eben fest: Malaysia ist großartig. Der Tourismus hier sagt mit mehr zu als im Süden von Thailand. Es ist ruhiger. Es gibt viel weniger westliche Touristen. In Restaurants sitzt man mit den Einheimischen. Die Oma wird in den Landrover gepackt, vor dem Restaurant ausgeladen und dann sitzen alle auf denselben Plastikstühlen und essen gemeinsam. Man sieht indischstämmige Malayen in chinesischen Restaurants und umgekehrt; Frauen mit Hijab, die mit indischen Frauen zum Essen gehen.

Wenn du glaubst, du hättest in Kreuzberg Multikulti gesehen, warst du noch nicht in Malacca.

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