Spanisch lernen in Xela

Xela ist kein klassisches Ziel von Touristen. Die Stadt wird auch das Manchester von Guatemala genannt. Und dementsprechend rauh, aber herzlich ist das Stadtleben hier.

Wir sind für 3 Wochen hier um eine Spanischschule zu besuchen. Die Stadt ist eine Großstadt mit über 200.000 Einwohnern, fühlt sich aber eher ziemlich kompakt an. Das meiste passiert im Zentrum rund um den Parque a Centro. Diese Gegend würde man in Deutschland als Innenstadt bezeichnen, hier in Guatemala ist es Zona 1. Und kein Bewohner der Stadt nennt die Stadt bei ihrem offiziellen Namen Quetzaltenango. Alle benutzen den Majanamen Xela.

Die Spanischschule und das Haus der Tiere

Die ersten 2 Nächte verbringen wir noch im Hostel Casa Renaissance. Dort gibt es riesige Zimmer wie in einem Herrenhaus. Und eine flauschige Katze.

Dann ist das Wochenende vorbei und unser Spanischkurs bei der Sprachschule El Portal geht los. 140 Euro pro Woche kostet der Unterricht. Im Preis inbegriffen ist die Unterkunft bei einer Gastfamilie. Sonntag mittags holt uns Sergio mit Hund, Napoleon, vor der Sprachschule ab. Es ist eine Einstimmung auf das Haus, denn dort leben 8 Hunde und 5 Katzen.

Die Hunde sind in eigenen Zimmern untergerbracht und das Haus überstreckt sich über 2 Innenhöfe, daher ist hier genügend Platz. Und die anderen Mitbewohner sind nett. Charles ist ein weiterer Sprachschüler, aus Taiwan.

Anstelle einer klassischen Familie ist das Haus eine WG. Die wohnenden Leute sind Diego, der Medizin studiert, sowie Sergio und Manuel, die an einer Schule für Köche beschäftigt sind.

Die nächsten 2 Wochen besteht unser Leben dann aus Katzen streicheln, Hunde bürsten – und vor allem jeden morgen um 8 in der Schule sein um bis nachmittags 5 Stunden lang Spanisch zu lernen. Und das im Einzelunterricht.

Zwischendrin gibt es noch ein Erdbeben von 6.9 auf der Richterskala, was ein ziemliches Erlebnis ist. Nachts wackelt auf einmal alles. In unserem Haus fällt nur ein Dachziegel runter. Am nächsten Morgen sieht man aber einige eingestürzte Mauern in der Stadt.

Spanisch lernen – aber wirklich

Ich habe hier eine Art Erweckungserlebnis beim Lernen einer Sprache. Zum ersten Mal merke ich, wie es im Idealfall laufen kann. Denn oft läuft es gar nicht so gut mit Sprachen. Etwa bei meinem Chinesisch-Kurs an einer Volkshochschule letztes Jahr. Die Lehrerin, eine ältere chinesische Dame, betrieb klassischen Frontalunterricht. Zu Beginn des Kurses kauften wir Lehrmaterial für knapp 100 Euro und dann wurden die Lektionen durchgenommen. Jeder durfte einen vorgelesenen Satz wiederholen und weiter ging es zur nächsten Lektion. Den meisten Redeanteil hatte dabei die Lehrerin. Und jede Woche einmal 2 Stunden sind auch wirklich nicht viel.

Hier im Spanischkurs in Xela gibt es dagegen vor allem Konversation ohne Ende. Vor allem ist es der Einzelunterricht, der den Unterschied ausmacht.   Sprachen lernen ist wie das Erlernen eines Instruments: beim Üben hört es sich manchmal ganz furchtbar an. Da sollte am besten niemand anwesend sein, wenn ich etwa Preterit-Formen mühsam herausorgele und man mir förmlich beim Denken zusehen kann. Es ist ein unglaublicher Kraftakt zwischen 2 Zeitformen zu wechseln, wenn man eine Sprache lernt.

Und ich bin vor allem über die Wiederholungen froh. Der Frage „Que hiciste ayer?“ meiner Lehrerin hat sich bei mir eingebrannt und ich kann inzwischen ganz gut zwischen den Zeitformen wechseln.

Was in Xela sonst so passiert

Ansonsten ist Xela eine nette Stadt mit vielen Cafés und einer präsenten Expat-Szene. Wir sitzen gerne im Café Mandarina herum, das von einer Australierin geführt wird. Wenn wir es mal aus dem Haus schaffen denn hier ist im Juni ein besonders nasser Monat der Regenzeit. Morgens scheint meist noch die Sonne, nachmittags fängt es meistens an wie aus Eimern zu schütten. Da möchte man wirklich nicht mehr raus.  Manchmal hält das Wetter und auch die LBGTQ-Demo hat Glück, die an einem Nachmittag am zentralen Platz stattfindet.

Die Ausflüge rund um Xela

Ein paar Ausflüge unternehmen wir doch. Mit der Schule in ein Dorf „die älteste Kirche Lateinamerikas“ zu besichtigen. Leider findet die Hausmeisterin den Schlüssel nicht, wir müssen draußen bleiben.

Auch nicht richtig überzeugend ist unser Ausflug zu Fuentes Georginas, den schwefelhaltigen, heißen Quellen. Die Fahrt sollte eigentlich ein Ausflug der Sprachschule sein, aber am Ende sind wir die einzigen beiden, die mitfahren. Der Weg ist extrem ruckelig. Und dort angekommen fängt es an zu schütten ohne Ende. Und das Café neben der Quelle spielt ununterbrochen Panflöten-Coverversionen von 80er-Songs. Emily scheint entweder die Fahrt oder der Schwefelgeruch nicht bekommen zu haben. Aber die Details spare ich hier aus. Nur so viel: immer eine leere Plastiktüte im Rucksack dabei haben!

Besser ist dann ein weitere Ausflug nach Zunil, das auf halber Strecke zwischen Xela und Fuentes Georginas liegt. Hier fährt man einfach von Xela aus an die Endhaltestelle und sucht sich eines der zahlreichen Badehäuser aus. Diese haben alle Einzelräume mit riesigen, gekachelten Badewannen. Und werden mit heißem Vulkanwasser (ohne Schwefel) versorgt. Man mietet hier für 20 Quetzales für eine Stunde ein Bad und bekommt warmes Wasser. Denn in den meisten Hostels und Häusern gibt es nur lauwarmes Tröpfelwasser. Und Xela liegt auf 2300 Metern und so hoch oben ist es auch in Guatemala nicht wirklich warm.

Fazit

Wir sind nach 3 Wochen wegen des Wetters dann doch froh weiterzukommen nach San Cristobal in Mexiko. Aber mit einem weinenden Auge. Denn wir haben uns hier mit den Katzen, Mitbewohnern und Lehrern an der Schule angefreundet. Und uns an das Leben in der Stadt gewöhnt.

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