Buchreview: Die seltsamsten Orte der Welt

Stöbern. Erkunden. Orte entdecken. Deswegen gehen wir auf Reisen. Manche Orte tauchen allerdings in keinem Reiseführer auf.

Alastair Bonnett hat über solche Orte ein Buch geschrieben. Die seltsamsten Orte der Welt. Geheime Städte. Verlorene Räume. Wilde Plätze. Vergessene Inseln. wirkt wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für Erwachsene.

Das Buch führt uns durch unbekannte Orte. Nicht-Orte. Verwunschene Orte. Flüchtige Orte. Orte, die wir nicht wahrnehmen.

Zu vielen dieser Orte werden wir niemals Zutritt haben. Etwa weil sie zwischen Staatsgrenzen im Niemandsland liegen. Oder Geisterstädte in verseuchten Gegenden sind wie Wittenoom in Australien, das an einer ehemaligen Asbest-Mine liegt. Und von dem alle Straßenschilder entfernt wurden, damit sich niemand an diesen Ort verirrt.

Andere Orte existieren nicht mehr. Aus harmloseren Gründen. Etwa die künstliche Sprüheisinsel Nipterk N-32, die schon längst abgetaut ist.

Diese Orte können wir hier kennenlernen. Bonnet ist Professor für Geographie und hat einen wachen Blick für solche unbekannte Orte.

Das Unbekannte entdecken

Jedes Kapitel steht für sich. Wie eine Miniatur entfaltet sich der jeweilige Ort und gibt seine Geheimnisse preis. Ich habe das Buch nicht am Stück durchgelesen, denn jedes Kapitel lädt zum weiteren Stöbern und Nachforschen ein.

Im Kapitel Labyrinth begleiten wir die Gruppe Action Squad auf ihre urbanen Erkundungen in den Untergrund. In der Stadt Saint Paul in Minneapolis gibt es ein riesiges Höhlensystem aus Versorgungstunneln für Telefonanlagen. Diese Tunnel verlaufen unter der gesamten Stadt. Ähnlich wie die Katakomben in Paris bilden diese ein weit verzweigtes Netzwerk. Das lockt die Pioniere der Urban Exploration Szene an, die den Untergrund erforschen, kartographieren und inzwischen geführte Touren anbieten. Und untereinander darüber streiten, wer als erstes die Höhlen entdeckt hat.

Der Stadtraum als Kunstwerk

Im Kapitel “Gutterspaces” wird der Konzeptkünstler Gordon Matta-Clark vorgestellt, der Zwischenräume sammelte. Er kaufte Flächen in New York, die zwischen Häusern lagen und eigentlich keine Funktion erfüllten. Etwa schmale Durchgänge, die zwischen zwei Häusern liegen. Fotos seiner Gutterspaces sind in der Sammlung im Guggenheim Museum zu sehen.

Das Buch hat mir die Augen für Zwischenräume geöffnet. Normalerweise gehe ich durch die Stadt und achte nicht auf unscheinbare Räume. Erst seit ich dieses Kapitel gelesen habe, fällt mir auf, dass es überall nur so von unentdeckten Parzellen wimmelt.

Was mir gut gefallen hat

Es gibt wenige Bücher, die poetische Magie, Wissenschaft und Reportagenstil so verbinden wie dieses. Ich bin jedenfalls begeistert. Das Buch lädt ein es immer mal wieder zu öffnen und sich durch imaginäre, reale und verschwundene Orte treiben zu lassen. Ganz wunderbare Lektüre!

Alastair Bonnett – Die seltsamsten Orte der Welt. Geheime Städte. Verlorene Räume. Wilde Plätze. Vergessene Inseln. Verlag C.H. Beck. 2017.

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