Unsere letzte Reiseetappe auf Kuba führt uns in die beiden Städte Sancti Spiritus und Trinidad.

Sancti Spiritus – das alltägliche Kuba

Das Städtchen Sancti Spiritus ist eine kleinere Stadt 70 Kilometer entfernt von Trinidad. Es gibt hier wenige Hotels, die von Bussen für Pauschaltouristen angefahren werden. Die Stadt wurde zum 500jährigen Jubiläum aufpoliert., aber der große Touristenstrom ist bisher ausgeblieben. Die Wandgemälde, die das Stadtjubiläum von 2014 preisen, sind bis heute zu sehen.

Die Stadt hat einen kurzen Boulevard ohne Verkehr, dafür mit einigen Bronzestatuen. Die Geschäfte hier sind zum Großteil für den lokalen Bedarf der Bewohner ausgerichtet.

Die Casa Estrella Gonzales Obregon (Maximo Gomez Norte 26) liegt um die Ecke des zentralen Platzes Serafin Sanchez. Unsere aufgeweckte Gastgeberin fängt uns bei Ankunft direkt auf dem Platz ab. Wir sind skeptisch, aber sie kennt unsere Namen. Und eine ältere Dame über 70 ist üblicherweise keine Jinetera, die einem ein Taxi oder eine falsche Casa aufschwatzen möchte. Ihr Haus hat dann die schönste Dachterasse mit Blick auf die Berge. Und um bei den Superlativen zu bleiben: das umfangreichste Frühstück unserer Reise in Kuba.

Wir sind fast ein bißchen beschämt nicht alles aufessen zu können, aber es geht einfach nicht. Es gibt eine riesige Obstplatte, dazu Frituras aus Maniok und riesige Omelettes.  Uffz. Für den Abend empfiehlt sie uns ein Peso-Restaurant direkt um die Ecke ohne Schild. Man läuft durch drei Hinterhöfe und sitzt unter einem Strohdach. Am Ende zahlen wir inklusive Getränke für 2 große Essen mit Salat 6 CUC, also umgerechnet 6 Euro. Danach sind wir so satt, dass wir schlafen gehen. Während unsere 70jährige Gastgeberin am nächsten Morgen noch leicht verkatert berichtet, dass sie noch bis um 2 Uhr morgens auf der Piste war.

Mit Restaurants sieht es mau aus in Sancti Spiritus. Es gibt wenige Restaurants, die hochpreisig sind. Und ansonsten eher unansprechende Cafeterias. Eine Ausnahme ist noch der Italiener am Platz, aber dort ist Schlange stehen angesagt. Mittags gibt es noch Eis für 1 CUC im „Dulce Crema“. Hier sitzen außer uns nur kubanische Familien zu Feierlichkeiten. Die Eisbecher sind eher traurig. Zumindest für uns. Wir bestellen zwei unterschiedliche Eisbecher und bekommen dieselben Zutaten in unterschiedlichen Bechern. Für uns ist das ein Trauerspiel, für die kubanischen Familien mit Kindern dagegen ein Festtag und etwas Besonderes. Das ist kein Wunder, denn auf der Straße kostet ein Eis 3-5 Pesos und hier drin 25 – 35 Pesos.

Sancti Spiritus sieht ähnlich aus wie Trinidad mit Kopfsteinpflasterstraßen und einem Blick auf die nahegelegenen Berge der Sierra del Escambray.  Nur ist hier deutlich weniger touristische Infrastruktur vorhanden. Dadurch kommt man eher mit Leuten in Kontakt. Du setzt dich einfach an den Marktplatz und kommst mit Stadtbewohnern ins Gespräch. Außerdem ist Sancti Spiritus ist die Stadt mit den wenigsten Jineteros und Taxi-Zurufen.

Beim Surfen im Internet im Park setzt sich ein Herr neben uns und fragt, ob er seine Emails bei uns lesen kann. Na gut, wir sind ja hilfsbereit. Zumindest haben wir ihn so verstanden. Anstelle seiner Zugangsdaten fängt er an uns eine Email an seine Tante zu diktieren, die wir für ihn absenden sollen. Irgendwie hat er nicht ganz verstanden, wie Email funktioniert. Und wir machen ihm klar, dass wir nicht sein Sekretariat sind.

Am nächsten Tag machen wir Bekanntschaft mit einem Typen, der hier um den Platz herum Autos wäscht. Meine Tattoos nimmt er zum Anlaß sich halb nackig zu machen und uns stolz seine Knasttattoos vorzuführen. Er saß 3 Jahre ein und trotz seiner Glatze fühlt er sich als Rastaman und zeigt mir noch einen speziellen Freundschafts-Handschlag mit oben-Faust-unten-Faust-dann-Hand-schütteln-zu zeigen. Ein bißchen schräg, aber nett.

Für uns geht es dann weiter nach Trinidad. Es ist Sonntag und am Viazul-Terminal fahren kaum Collectivos. Mit einem Typ werden wir handelseinig und fahren für 18 CUC in einem eigenen Taxi nach Trinidad. Der Viazul-Bus kostet 6 CUC, fährt aber nur abends. Und wir haben nur diesen Tag, um uns Trinidad anzusehen.

Trinidad – wenigstens noch kurz

Warum wir nicht länger hier sind, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist das kubanische Busunternehmen Viazul. Weil wir nur noch von Santa Clara aus und viel später als gewünscht einen Bus nach Holguin bekommen hatten, haben wir Trinidad nach hinten geschoben.

Ein Tag ist zu kurz für Trinidad. Soviel haben wir herausgefunden. Es gehört auf Reiseblogs scheinbar zum guten Ton sich über Trinidad zu beschweren: „Zu viele Touristen!“ Dabei sind wir alle ein Teil der Herde. Und entgegen den Schilderungen ist bei unserem Besuch die Stadt weder randvoll mit Touristen noch voll mit Jineteros. Die Stadt ist einer der touristischen Hot-Spots in Kuba, aber das weiß jeder vor der Anreise.

In vielen Orten des Tourismus weltweit stehen Gewerbetreibende, die einen in ein Geschäft, auf ein Boot oder in ein Taxi lotsen wollen. Mehr oder weniger aufdringlich. Wenn dasselbe in Kuba passiert, wird „Touristennepp!“ gerufen. Nur mal so ein Gedanke zur Reflexion der eigenen Position. Ja, es nervt. Nur ist das Phänomen nicht typisch kubanisch.

Und zumindest hier und heute und für uns ist Trinidad eine wirklich nette Erfahrung. Die Kopfsteinpflasterstraßen in der Innenstadt sind für den Verkehr gesperrt. Und für das hemmungslose Herumlaufen bestens geeignet. Am Plaza Mayor lässt es sich gut aushalten im Schatten auf der Treppe neben der Kirche. Und das ist es auch: durch die Stadt schlendern. Gebäude ansehen. Außerhalb des Stadtkerns wohnen dann auch ganz normale Kubaner und es sieht weniger nach restauriertem UNESCO-Weltkulturerbe aus.

Und am Ende des Tages trinken wir dann doch noch einen Daiquiri in der hiesigen Bar „El Floridita“, das mit seinem Namensvetter in Havanna nur die Hemmingway-Statue gemeinsam hat. Ein älterer Herr mit Gitarre outet uns als Deutsche und stimmt für uns gleich „La Cucaracha“ mit deutschem Text an.

Unsere Casa in Trinidad bucht uns ein Taxi Collectivo nach Havanna. Diese mal ist es ein reguläres, gelbes Taxi, in dem wir zu viert sitzen. Die Fahrt kostet 30 CUC pro Person. Ein absolut fairer Preis für den Tür zu Tür Service und 4 Stunden später haben wir schob in unserer letzten Casa vor Abflug in Havanna eingecheckt.

Wie waren deine Erfahrungen in den beiden Städten? Planst du noch hinzufahren?

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Veröffentlicht in Kuba

One Reply to “Durch die Gassen von Sancti Spiritus und Trinidad schlendern”

  1. Hallöchen?
    Schöner Bericht und um ehrlich zu sein hätte ich seehr gerne so ein Frühstück wie von eurer Gadtgeberin gehabt ?
    Bei mir geht es im Dezember nach Kuba und ich freue mich nach deiner Erzählung noch mehr darauf !
    Lieben Gruß
    Sani ??

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