Gibara. Das Festival am Ende von Kuba.

Die Fahrt nach Gibara ist ein Erlebnis. Die Straße wird immer holpriger. Von Landstraße zu Feldweg. Die eine Seite der Straße ist ungeteert und wird von Pferdekarren befahren. In Gibara endet dann die Straße.

Zwar führen ein paar kleinere Wege noch weiter an der Küste entlang. Aber man kommt hier nirgends mehr hin. Hier ist Endstation. An der Atlantikküste. Und das fühlt sich großartig an nach der Reise durch die größeren Städte in Kuba. Keine „Taxi, Taxi“ Rufe mehr. Kein Verkehrslärm mehr. Nur noch das Rauschen des Meeres.

Die schönste Casa von Kuba

Die Casa hier ist die beste Unterkunft, die wir während unseres Aufenthaltes in Kuba haben. Das Hostal Sol y Mar liegt direkt an der Küstenstraße am Ende des Orts. Hier fährt alle halbe Stunde mal ein Fahrrad vorbei. Ich sitze auf der Veranda im Schaukelstuhl und blicke auf den Atlantik. Direkt hinter der Kaimauer tosen die Wellen und ein frischer Wind weht.

Die Casa befindet sich direkt am Malecon. Das große Haus ist hübsch verwinkelt geschnitten, hat 6 Gästezimmer und eine Veranda mit Schaukelstühlen. Auf dem Dach gibt es eine ausladende Terasse mit Meeresblick. Besser geht es kaum. Der Service ist superprofessionell. Und das Essen mit Menükarte so gut, dass wir nur in der Casa essen. Die beiden Inhaber sprechen fließend Englisch, Französisch, Holländisch und Deutsch. Kein Wunder, denn Yvan arbeitet die Hälfte des Jahres in Frankreich.

Das Film-Festival

Gibara selbst ist ein kleiner Küstenort, der an den Rändern des Tourismus liegt. Es gibt zwar Tourismus hier, aber keinen Pauschaltourismus wie im nahegelegenen Guardalavaca. Die meiste Zeit des Jahres ist Gibara ein ruhiger Ort. Nur sind wir wegen des Filmfestivals hier, das einen Tag nach unserer Ankunft beginnt.

Erst vor Ort erfahren wir, dass das Konzept des „Cinema de Pobre“ geändert wurde. Nun ist es nicht mehr das Festival des armen Films, sondern das Internationale Filmfestival von Gibara. Als Stargast ist Benicio del Toro dabei. Und auch 2 deutsche Filme sind dieses Jahr mit im Programm, „Victoria“ und „Der Staat gegen Fritz Bauer“.

Allerdings ist das Filmfestival eher der Aufhänger. Denn das Rahmenprogramm ist deutlich größer als das Filmprogramm. Unten am Platz am Meer wurden Bühnen und ein kleiner Jahrmarkt aufgebaut. Es gibt jeden Abend Konzerte, dazu Fotografie- und Kunstaustellungen. Und dazu Vernissagen (mit Schnaps und Häppchen, Prost!) und Happenings. In unserer Casa wohnen einige der Künstler aus New York, die vor der Kirche ein gegrilltes Schwein zersägen – aber das ist eine andere Geschichte.

Das Eröffnungskonzert gibt einer der großen der kubanischen Musikszene, Pablo Milanés. Alle 3000 Besucher (außer uns!) können bei „Yolanda“ mitsingen und ein älterer Herr vor uns spielt vor lauter Freude nicht Luftgitarre, sondern Luftklavier. Eine Doku über Eliades Ochoa und den Buena Vista Social Club läuft auch auf einer Open-Air-Leinwand. So viel Buena Vista muss sein.

Zufallsbekanntschaft der Extraklasse: Agustin

Wir treffen direkt am ersten Abend auf Agustin. „Hey Guys!“ begrüßt er uns und dann verbringen wir mit ihm den Abend. Er hat lange Dreadlocks, ist über 50 und einer der interessantesten Menschen, die uns begegnen. Er spricht Spanisch und jamaikanisch gefärbtes Patois-Englisch. Und er erzählt uns viel über seine Heimatstadt Santiago de Cuba. Und seine Lebensgeschichte. Dass er in den 1980er Jahren als Soldat in der kubanischen Armee in Angola war. Und dass er in einer Zuckerfabrik arbeitet. Er ist kulturell breit interessiert und erzählt uns viel zu den Bands, die in Gibara jeden Abend spielen.

Wenn ich die Frage „Und wie fandest du Kuba?“ mit einem Foto beantworten würde, dann so:

me_agostin

Fazit Gibara

Aktuell wurde bekannt, dass die „37th International Tourism Fair FITCuba 2017“ in Gibara stattfinden und die Stadt als neue Tourismusdestination vermarket werden soll. Dann wäre es mit der Ruhe vorbei. Allerdings darf man bezweifeln, dass dies so schnell passiert. Von Baustellen für neue Hotels war in Gibara weit und breit nichts zu sehen. Und die Straße nach Gibara ist nach wie vor eine Buckelpiste, die man Pauschaltouristen nicht zumuten kann.

Für uns war Gibara jedenfalls einer der schönsten Orte Kubas. Auch ohne Filmfestival würde ich nochmal herkommen um am Meer Zeit zu verbringen. Es gibt eine kleine, feine touristische Infrastruktur mit Bars wie dem Siglo XX und – wenn man je außerhalb der Casa essen möchte – einigen Restaurants. Dafür sind Jineteros hier unbekannt. Man blickt über die Bucht und sieht die Berge am Horizont. Großartig.

gibara_panorama

Tipps für die Fahrt nach Holguin und Gibara

Von Santa Clara nach Holguin sind wir mit dem Viazul Bus gefahren. Von Trinidad und Cienfuegos aus war mehrere Tage im Voraus kein Ticket mehr zu bekommen. Die Abfahrtszeit war um 0:20 und das war die einzig mögliche Verbindung, für die es noch Tickets gab.

Morgens um 8 haben wir von Holguin für 15 CUC ein Taxi direkt nach Gibara genommen bis vor die Haustür der Casa. Günstiger ist die Variante mit Taxi Collectivos, welche wir auf dem Rückweg gewählt haben. Die Abfahrtsstelle für die Collectivos nach Gibara befindet sich auf der anderen Seite der Stadt an der Straße nach Gibara. Für ein Bici-Taxi zwischen Viazul-Station und Collectivo Sammelstelle zahlst du 2 CUC pro Person. Das Collectivo für die 30 Kilometer nach Gibara kostet dann 1 oder 2 CUC. Die Schlepper am Bahnhof wollen dir etwas anderes erzählen, aber deren Dienste benötigst du dafür nicht.

Auf der Rückfahrt von Holguin nach Sancti Spiritus dagegen haben wir uns für 26 CUC einen Minibus vermitteln lassen von einem der Typen, die vor dem Viazul-Gebäude stehen. Für längere Strecken ließen sich vor der Viazul-Station keine Collectivos finden. Und der einzige Bus wäre erst abends gefahren.

Tipps für Gibara

ficgibara.cult.cu Offizielle Website des Filmfestivals
Casa Sol y Mar Facebook Beste Casa von Kuba! Die Zimmer können über Airbnb gebucht werden.

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