Im Nicht-Fliegen habe ich langsam professionelle Erfahrung. Schon 2014 auf dem Weg nach Chengdu steckte ich wegen starkem Nebel in London-Heathrow fest. Mehreren Tausend anderen Reisenden ging es genauso und wegen des unerwarteten Ansturms schloss British Airways kurzerhand die Serviceschalter ab einem gewissen Punkt. Man bekam ein kopiertes Merkblatt in die Hand gedrückt und durfte sich dann selbst durchschlagen. Die Servicehotline war natürlich auch überfordert und so beschloß ich das Beste aus der Situation zu machen und die Nacht in Brighton zu verbringen, wohin ich schon länger wieder wollte. Der Abend bestand dann allerdings darin, bei Kälte am Bahnhof zu stehen um nach ein paar Stunden irgendwann kurz vor 1 Uhr die Hotline zu erreichen, die nur meinte „das müssen Sie direkt am Schalter klären, wir können Sie nicht umbuchen“. Mögliche Flüge für den nächsten Tag hatte ich mir selbst herausgesucht und zurück am Flughafen wurde ich auch anstandslos umgebucht. Nach der Reise konnte ich mir die Kosten für Hotel und Bus von B.A. wieder holen. Trotzdem: nur mit Handgepäck irgendwo zu stranden ist unschön.

Dieses Mal hatte ich ein Wiedersehen mit dem Fiasko. Ich hatte mich monatelang auf die Weltreise vorbereitet, eilte nichtsahnend zum Flughafen, legte freudig meinen Pass auf den Schalter von Egyptair, nur um dann die Aussage zu bekommen: „Sie stehen nicht auf der Passagierliste.“ Ungünstig, und zwar äußerst ungünstig.

Ich muss dazu sagen, dass mir im Vorfeld ein Fehler passiert und ich zweimal auf denselben Flug gebucht war über 2 unterschiedliche Anbieter. Als mir der Fehler aufgefallen war, hatte ich eine der Buchungen stornieren lassen mit der Bitte, die andere, existierende Buchung unbehelligt zu lassen. Aber dummerweise wurden die Flüge dabei gestrichen.

Derweil am Schalter großes Drama: ich versuchte die Hotline des Buchungsportals zu erreichen. Keine Chance. Und dann war mein Handyguthaben leer. Die Vorgesetzte der Damen am Abflug meinte dann „ich drucke Ihnen manuell ihr Ticket aus“. Würde hier ein Wunder geschehen? Ich wartete und hoffte. Doch leider vergebens, es ging dann doch nicht denn „es würde zwar eine bestehende Ticketnummer geben, aber keine Reservierung“. Dazu hätte ich keinen Rückflug nach Deutschland, was gegen die Beförderungsbestimmungen verstossen würde. Letzteres stimmt eindeutig nicht. Ich hatte einen bestätigten Weiterflug binnen 30 Tagen, den ich auch nachweisen konnte. Und hatte mir im Vorfeld extra noch per Mail vom Customer Service der Hotline bestätigen lassen, dass dies so möglich sei. Das Ende: „wir können Sie heute nicht mitnehmen, lassen Sie sich von Ihrem Anbieter umbuchen.“ Was ich an dieser Stelle nächstes Mal anders machen würde: auf eine schriftliche Bestätigung für die Nicht-Mitnahme beharren.

Da stand ich nun am Flughafen. Dazu wurde mir jetzt noch telefonisch mitgeteilt, dass mein Nachmieter bereits heute einziehen würde – eine Bleibe hatte ich also auch nicht mehr. Manchmal entschliesst sich das Leben dazu spontan eine Eiswasser-Eimer-Challenge durchzuführen und einem den vollen Eimer über den Kopf zu kippen.

Ich kam dann bei einem Freund unter, der gleich noch seelischen Beistand leistete und bekam dort endlich eine Mitarbeiterin der Hotline des Buchungsportals dran. Wenn die Aussage so stimmt, dann muss die Fluggesellschaft von sich aus, noch bevor ich storniert habe, die Doppelbuchung bemerkt und die Flugdaten beim Buchungsportal aus dem System genommen haben. Ohne irgendeinem der Beteiligten Bescheid zu geben. Und damit wäre es wider Erwartens weder meine Schuld, noch die Schuld der zweiten Firma, über die ich stornieren liess. Es war noch ein Teil meiner Flugdaten vorhanden, denn die Flugdaten konnte ich noch einsehen im Frontend für die Passagiere, ebenso gab es eine gültige Ticketnummer.

Nur nutzt mir diese Erkenntnis nichts. Ich bin nicht mehr in Deutschland gemeldet, noch werde ich auf absehbare Zeit zurückkommen und werde eine Weltreise sicher nicht damit verbringen, mir einen bürokratischen Kleinkrieg mit 3 Firmen zu liefern. Das macht den Schaden auch nicht wieder gut. Und wegen einem Streitwert von unter 400 Eur beauftrage ich sicherlich keinen Anwalt, der mit 150 Eur Stundenhonorar zu Buche schlägt.

Die Firma, über die ich die bestehende Buchung hatte, mauerte. Der Fall war so ungewöhnlich, dass er dort von keiner Standardroutine abgedeckt wurde. Mit meinem Satz „ich habe bei Ihnen für eine Leistung bezahlt, die nicht erbracht wurde“, kam ich jedenfalls nicht durch. Die Hotline verhielt sich zumindest extrem professionell und suchte mit nach Lösungen. Den Aufpreis für eine Umbuchung hätte ich selbst zahlen müssen und für einen Flug am nächsten Tag wären das 1200 Eur gewesen. Ich entschied mich für die kostenpflichtige Stornierung, da mein Ziel war „so schnell wie möglich nach Bangkok zu kommen“. Von den 390 Eur bekam ich dann 225 Eur zurück und das ist immer noch besser als ein Totalverlust.

Für den nächsten Tag habe ich dann selbst einen Flug mit Aeroflot gebucht und wegen Schneechaos in Moskau wäre ich fast dort gestrandet. Der Flug von Moskau nach BKK wurde dann aber ein paar Stunden nach hinten verschoben und so kam ich doch noch an. Als ob eine unsichtbare Macht verhindern wollte, dass ich die Weltreise beginne. Aber ohne mich. Obwohl dann auch noch ein stark alkoholisierter Russe im Flugzeug ausfällig wurde, kamen wir an.

Am Ende bin ich endlich in Thailand, nur mit einem Tag Verspätung. Ich freue mich im gelobten Land des Reisens angekommen zu sein. Und ich bin um eine Erfahrung reicher.

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