Nanjing, Jiangsu Provinz, ist nach den 2 Bergtouren wieder Großstadt. Von Huangshan aus gibt es verschiedene Optionen zur Weiterreise. Die Busverbindung nach Hangzhou war am besten, allerdings wollte ich dorthin nicht nochmal. Shanghai wäre auch erreichbar gewesen, diese Stadt wollte ich nach Hangzhou und Guangzhou ausfallen lassen: an Megastädten

in China habe ich für dieses Mal genug gesehen. Und ich komme garantiert wieder. Die Stadt Suzhou, die gerne als „das Paris des Ostens“ bezeichnet wird, wäre noch eine Option. Aber dort waren alle Hostels ausgebucht. Schade, aber dort kann man locker von Shanghai aus nochmal vorbeischauen für einen Ausflug.

Also Nanjing, die alte Hauptstadt der Qing-Dynastie. Die Busfahrt verlief entspannt über neue Autobahnen. Nichts mit rumpelnden Bussen über Gebirgspisten, aber das hier ist ja auch nicht Sichuan. Mit dem neben mir sitzenden Industriedesigner unterhalte ich mich während der Fahrt, allerdings hat sein Englisch auch manchmal Aussetzer. Das passiert hier öfters, teils funktionieren Unterhaltungen, an einigen Stellen gibt es Fehlfunktionen und ich rätsele, was gemeint ist. Und mein Chinesisch ist nicht auf dem Stand, als dass ich mich damit unterhalten könnte.

In Nanjing suche ich das Hotel, das teils wenig vorteilhafte Bewertungen bekommen hat. Eine Assoziation auf dem Weg: Nanjing hat etwas prototypisch großstädtisches. Als ob sich hier einfach „Großstadt“ als Gattungsbegriff architektonisch verwirklichen würde. Die Straße zum Hostel ist vierspurig und über ihr verläuft eine Hochstraße. Betoncharme mit viel Verkehr. Daneben gibt es ein Industrieareal mit Güterzug, der sich wie die ideale Vorstellung eines Güterzugs anhört „tschu-tschuuuuuuuuuu“. Das Geräusch höre ich noch später im Traum.

Das Hostel liegt in einem für China untypischen Areal. Es wurde ein altes Industrieviertel mit Backsteinbauten revitalisiert und in Artlofts, Designwerkstädten und Restaurants umgewandelt. Das habe ich noch nie gesehen, normal wird hier abgerissen und neu gebaut. Die Location ist nicht so weit abseits, wie sich in diversen Reviews beklagt wurde, zur Metro sind es gerade mal 15 Minuten zu Fuß oder 2 Busstationen.

Man ist hier direkt an einem Fluß mit Park und an der Südseite der imposanten Stadtmauer. Gerade die Parks werde ich in den nächsten Tagen öfter aufsuchen. Es herrscht schönstes Frühlingswetter, in den Parks wird musiziert, Tai Chi und Gymnastik praktiziert. Und es gibt Trainingsgeräte. Ich sehr hier hart durchtrainierte Kampfrentner, die ihre Hantelbank im Park aufgebaut haben. Inklusive Metallschrank, um die Gewichte zu verstauen. Daneben gibt es mehrere frei zugängliche Sandsäcke – das sehe ich zum ersten Mal. Wer auch immer meinte, dass Menschen in Asien keinen Sport praktizieren würden – das wird hier widerlegt.

Ansonsten sind in Nanjing die Hauptattraktionen Grabstätten. An der Gedenkstätte für die Opfer des Nanking Massakers findet sich die chinesische Volksrepublik. Hier sind Massen unterwegs um der Taten während der japanischen Besatzung durch die Eroberer zu gedenken. Die Gedenkstätte ist ein Museum mit Artefakten aus der Zeit und dankenswerterweise ausführlichen Texten, auch auf englisch.

Die andere Gedenkstätte, die ich besuche, ist das Sun Yat Sen Memorial. Einer der Gründer der Republik wird hier geehrt und die Anlage ist mehr als beeindruckend. Es liegt ein bißchen außerhalb, du musst länger mit der Metro hinfahren und stellt sich als riesiger Park heraus. Oder sogar als Ansammlung verschiedener Parks und kleiner Wälder.

Der immens lange Weg führt immer leicht bergauf bevor man an den eigentlichen Gebäuden an einer langen Steintreppe angelangt ist. Durch die fast kleine Haupthalle, in der eine Statue des Gründers thront geht es hinaus. Der Blick verkehrt sich, der Weg endet, man sieht bis zum Horizont nur grüne Wälder, Nebelschwaden und eine unbeschreibliche Weite. Es fühlt sich nicht urban an hier draußen, eher wie mitten in der Natur.

Sun Yat Sen wird mir auf der Reise später noch öfter begegnen. Nicht nur in China, sondern auch in San Francisco. Wo er die Unabhängigkeitserklärung der ersten demokratischen chinesischen Republik verfasste. Auf dem Gelände, wo heute die Transamerica Pyramid steht. Und ihm wird in San Francisco mit einer Statue in Chinatown auf dem St. Mary’s Square gedacht. So verbinden sich bestimmte Punkte, denen ich auf der Reise begegne.

Kulinarisch kann Nanjing mit dem signature Gericht Duck Blood Soup aufwarten – Vermicelli mit… wie es hier steht. Das sind in braune Blöcke gepresste Wurst und Innereien von Enten in Suppenform. Müsste ich nicht jeden Tag haben, war aber eine Erfahrung wert. Auch eine Spezialität sind hier mit Krabbensuppe gefüllte Baozi (Dampfnudeln), Tangbao. Das ist ein einzelner, großer Baozi, der mit einem Strohhalm ausgeschlürft wird.

Mir hat die Stadt gut gefallen und ich breche guter Dinge in Richtung Shandong Provinz auf.

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