Ich bin im letzten Abschnitt meiner Weltreise. Ende Dezember geht es zurück nach Deutschland, ab Januar wartet dann eine neue Stadt und ein neuer Job auf mich. Daher wirken die 5 Wochen in Malaysia anders als die Reise zuvor. Davor war der Zeithorizont der einer Langzeitreise mit unbekanntem Ausgang. Jetzt dagegen fühlt es sich wie Urlaub an.

Ich reise anders. Ich lasse mir Zeit. Und tue nur das, was mich interessiert. Ich kümmere mich nicht um Sehenswürdigkeiten, die mich gerade eher weniger interessieren. Es ist hier im Dezember aber auch viel zu heiß und in Penang ist es gerade deutlich heißer und schwüler als in Malacca. Herumlaufen, Ausruhen, Kaffeetrinken. Ich genehmige mir exorbitante Dim Sum Frühstücke. Vergiss den Reiseführer, ich setze mich einfach in den Laden neben dem Guest House in der Kimberley Street und alle Dim Sum sind dort unvergesslich gut.

Ich besinne mich auf die Tugenden von „Slow Travel“. Einfach mal das Weiterziehen sein lassen. Es fällt mir am Anfang nicht leicht. Irgendetwas rumort und treibt mich weiter. „Die nächste logische Station wäre doch Langkawi!“ Aber ich stelle fest, dass momentan Stadt viel besser passt als Insel. Penang ist für mich im Moment der ideale Ort. Ich finde hier alles vor, was ich zum zufrieden-sein brauche. Einfach mal in der Stadt bleiben und jeden Tag zeichnend und lesend im Starbucks sitzen. Oder im Foyer des Dream Catcher Hostel.  Ich bin hierher aus einem anderen Hostel umgezogen, und es ist richtig gut hier. Mit der Besitzerin unterhalte ich mich länger wie es hier ist,  eine kleine Firma zu führen.

Ich kümmere mich um mein Wohlergehen. Es ist so heiss, dass selbst einfaches Gehen zu Schweißausbrüchen führt. Dabei wäre Sport zur Abwechslung ganz gut. Ich suche mir ein Fitnessstudios raus, das Tageskarten hat. Eines gibt es direkt am Komtar Walk, die meisten sind außerhalb der Innenstadt am Guerney Plaza. Für 18 Ringit kann man hier Geräte nutzen – und das ist genau das, was ich gesucht habe.

Die Chroniken des Schweiß gehen weiter – an einem Tag gehe ich zu Fuß von der Guerney Mall zum Botanischen Garten. Der Weg sah auf der Karte gar nicht weit aus. Aber er zieht sich unsagbar lang. Und zwar so lange, dass ich erwäge umzukehren. Ich komme nach langer Zeit komplett schwitzend am Moon Gate an und mache erstmal Pause. Hier ist es grün und angenehm ruhig.

Und steil, da der Berg hier beginnt. Na dann mal hoch! Mir kommen Männer ohne T-Shirts und komplett nass geschwitzt entgegen. Nicht nur, dass asiatische Männer in Malaysia Shorts tragen, hier im Park fast alle in Sportkleidung unterwegs. Ich nicht, da ich nicht damit gerechnet habe, dass dieser Spaziergang hier so fordernd sein wird.

Dafür wird man oben von einer weiten Aussicht überrascht, dort wo sich das Blätterdach lichtet. Dafür hat sich die Mühe gelohnt. Wieder unten angekommen nehme ich den Bus Nummer 10 zurück. Die Klimaanlage steht auf Antarktis – nicht gerade das Richtige, wenn man komplett durchnässt im Bus sitzt. Und der Bus bewegt sich im Zickzack-Kurs in Richtung Innenstadt. Zu Fuß wäre ich schneller zurück gewesen, aber ich bin erstmal zu fertig dafür.

Am Ende nutze ich die Zeit noch um mich bei Skin Nation tätowieren zu lassen. Ein überfälliger Schritt, ich wollte meinen freien Arm noch angehen und hatte dafür nie Zeit. Während einer Reise mit vielen Ortswechsel passt das nicht. Und hier in Penang habe ich eine stabile Homebase mit dem Hostel, in der ich mich an den Tage nach dem tätowieren ausruhen kann.

Penang ist eine richtig guter Ort. Gleich ins Herz geschlossen. Und ich werde hier auf jeden Fall nochmal vorbeikommen. Penang ist „Asia in a nutshell“ – einmal der Querschnitt durch komplett Asien von Indien bis China.

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