Saigon ist laut. Seeeehr laut. Auf einmal wirkt Bangkok wie eine gemütliche Großstadt. Nämlich deutlich ruhiger als Ho Chi Minh City. Die Stadt wirkt, als hätte jemand die Lautstärke an einem Gitarren-Verstärker von 5 auf 11 gedreht. Der Verkehr ist benzinbetriebener Wahnsinn. Und ich dachte, ich hätte in China und Thailand alles gesehen. Ich lag falsch. Hier wirken alle aufgedreht wie voll auf Zucker. 

Der Verkehr in Saigon

Vietnam besteht aus Rollern und in Saigon ist die Zentrale. Sie sind überall. Auf der Straße in allen Richtungen. Und auch auf Gehwegen wird man gerne mal aus dem Weg gehupt. Und jede Straßenüberquerung wird zu einem Abenteuer. Als Computerspiel wäre Saigon “Frogger” auf einer alten Atari-Spielkonsole. Ein Frosch muss eine Straße überqueren und dabei dem Verkehr ausweichen. Genau so ist es hier. Es würde mich nicht wundern, wenn man im Restaurant sitzt und „Hup! Hup!“ auf einmal ein Moped durch den Laden knattern würde.

Verkehr in Saigon

Die Bui Vien Road – the place to be

Wir sind im Hostel Snow House untergebracht. Gebucht haben wir die Unterkunft über Airbnb.
Der Besitzer ist super-hilfsbereit und dazu gibt es hier das schnellste Internet unserer gesamten Weltreise (ja, sogar schneller als in den USA). Das Hostel liegt um die Ecke der Bui Vien Road, die an eine wildere Version der Khao San Road erinnert. Hier gibt es eine Vielzahl von Clubs, Bars. Aber auch Cafés und Restaurants. Ganz so wild ist es dann doch nicht, und wir kommen öfter her um Kaffee oder Smoothies zu trinken. Und die Auswahl an Essen ist riesig. Von vietnamesischem Essen über indisches Essen bis zu Falafel.

Google Maps: https://goo.gl/maps/YB4pp44Dc7K2

Bui Vien Walking Street

Zu Fuß zu den Sehenswürdigkeiten in Saigon unterwegs

Man schleicht sich in der Straße an der Seite entlang, um nicht mit den Rollern zu kollidieren. Ein paar Mal kracht es aber doch und vorbeifahrende Roller bleiben mit dem Lenker an Passanten hängen. Das Bild wird uns später noch ein paar Mal in Vietnam begegnen – also Augen auf, im Straßenverkehr. Die Ecke hier ist auch ein Hauptzentrum des Tourismus, in der Nähe der Ben Thanh Bus Station und des gleichnamigen Markts. Der Markt ist sehr beliebt, da es hier alles zu kaufen gibt mitten im großen Chaos der vietnamesischen Betriebsamkeit. Unser Gastgeber im Hostel warnt uns allerdings davor, hier etwas zu kaufen: die Preise seien für Touristen überteuert.

Ben Thanh Markt
Google Maps: https://goo.gl/maps/fvQiosfkHi82

20 Gehminuten weiter östlich der Bui Vien Road liegt das Zentrum Saigons. Hier gibt es große Flagship-Stores der üblichen Verdächtigen von Louis Vuitton bis H&M. Aber wir sind ja nicht zum Shopping hier. Eine Fußgängerzone führt direkt an den Saigon River (englisch: Walking Street Nguyen Hue; Google Maps: https://goo.gl/maps/A19N6GH4iRo) und du kannst hier ohne Verkehr flanieren. Schön.

Doch die Freude währt nicht lange. Unten am Ufer des Saigon River ist die natürlich Hackordnung wieder hergestellt: wer an die Uferpromenade möchte, muss mal eben 6 Fahrspuren einer Schnellstraße überqueren. Das hört sich nicht nur ziemlich irre an, das ist es auch wirklich. Aufgeputscht von Adrenalin lassen sich dann die großflächigen Heineken-Plakate auf der anderen Uferseite bewundern, die die Sicht verstellen. So richtig romantische Gefühle kommen nicht auf, da wenige Meter hinter uns der Verkehr der Schnellstraße röhrt.

Saigon River

Cafés – manchmal mit Katzen

Nach dem Schlendern am Fluß kann man sich erstmal mit Kaffee stärken. Vietnam hat nicht nur den „Egg Coffee“ sondern auch Vietnamesischen Kaffee. Mit gesüßter Kondensmilch. Wie ich schrieb: Vietnam ist voll auf Zucker. In dem Kaffee bleibt der Löffel senkrecht stehen. Er ist stark und man müsste ein neues Wort zur Steigerung von „süß“ erfinden.
Den besten Kaffee – zumindest optisch – bekommen wir in Saigon im Katzencafé „ichi“. Eine ganz neue Erfahrung: Katzen-Motive als Coffee Art.

Katzencafé Ichi
Öffnungszeiten: 10:30 – 22:00 Uhr
Offizielle Website (englisch) http://www.ichicatcafe.com/
Google Maps https://goo.gl/maps/as77N1DhvSP2

Kaffee Katze Saigon

Der Wiedervereinungspalast

In Saigon ist alles zu Fuß zu erreichen. Die Sehenswürdigkeiten altes Postamt, Kathedrale und Wiedervereinigungs-Palast liegen circa 20 Gehminuten vom Ben Tranh Markt aus entfernt.
Insbesondere der Wiedervereinigungs-Palast (englisch: Independence Palace)lohnt sich für einen Besuch. Die Räume dieser Sehenswürdigkeit sind eingefroren auf dem Stand der 1970er Jahre mit Plastiktelefonen, Kronleuchtern und rotem Plüsch. Auf dem Dach steht ein amerikanischer Hubschrauber. Und der Bunker im Keller könnte als Kulisse für die Serie „Twin Peaks“ durchgehen. Man kann hier zwischen einer und drei Stunden die verwinkelten Stockwerke erkunden und in Nostalgie schwelgen.

Independence Palace
Öffnungszeiten: 7:30 – 11 Uhr; 13 – 16 Uhr
Google Maps: https://goo.gl/maps/hqKcheBZ8Jx

Der Bunker im Palast des Präsidenten

Der Sozialismus (oder was davon übrig blieb)

Ansonsten hat das heutige Vietnam gefühlt sehr wenig mit Kommunismus zu tun. An allen Ecken entstehen neue Wolkenkratzer, teils mit Hubschrauberlandeplätzen. Und das ist deutlich anders als etwa in einem anderen post-sozialistischen Ländern, wie etwa Kuba. Denn in Vietnam gibt es Markt und vor allem ein riesiges Angebot an Waren. Der Kapitalismus wurde hier gerade erst von der Leine gelassen. Heute brausen Porsche durch die Straßen von Saigon. Mit den Idealen von Ho Chi Minh hat das nicht mehr allzu viel zu tun.

Wladimir Kaminer hat geschrieben, dass die Eliten den Sozialismus in Russland eingeführt haben und ein paar Jahrzehnte später beschlossen haben ihn wieder abzuschaffen. So wirkt das auch in Vietnam: die kommunistische Partei hat festgelegt, das Kapitalismus besser ist und denselben eingeführt. Wie man das mit Marx unter einen Hut bekommt, erschließt sich mir nicht so ganz… aber irgendwo mit der Dialektik des Historischen Materialismus wird sich das sicherlich begründen lassen.

Propganda Poster

Nützliche Informationen

Vom Flughafen in die Stadt

Man kommt vom Flughafen problemlos und günstig mit einem der beiden Busse in die Innenstadt zum Ben Thanh Market, der Linie 109 oder 49 für 40.000 Dong. Großes Lob an Saigon für diese Flughafenbusse. Das ist wahrscheinlich die einfachste und günstigste Möglichkeit weltweit um in die Innenstadt zu gelangen. Du kannst die beiden Busse am Flughafen nicht verfehlen. Wenn du aus dem internationalen Terminal hinausläufst, halten diese direkt auf der mittleren Fahrspur. Die Situation vor Ort ist sehr übersichtlich, lästiges Suchen entfällt und du benötigst auch kein Wifi oder Google Maps um den Bus zu finden. Die beiden Flughafenterminals für Inlands- und Auslandsflüge liegen nur 3 Gehminuten entfernt. Der Flughafen ist sehr kompakt.

Fazit

Saigon hat Charme. Allerdings einen sehr speziellen. Es ist rau. Brodelnd. Wild. Und laut. Der Charakter dieser Stadt ist deutlich anders als etwa Bangkok. Und das gefällt nicht jedem.

Unsere Erfahrungen in der Stadt waren gut. Alles lief glatt. Mir hat von allen vietnamesischen Städten Saigon am besten gefallen (Emily dagegen nicht, ihr war die Stadt zu anstrengend).

 

Wie fandest du Ho Chi Minh City ? Hast du weitere Tipps für die Stadt?

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